Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911) J. J. Rousseau
Entstehung
Seite
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DieHeirath.

eingetroffen. Um ihre Anhänglichkeit und Ergeben­heit zu ehren, beschloss Rousseau, ihr in den Augen der Menschen diejenige Stellung zu geben, die sie seit langer Zeit thatsächlich einnahm, lud zwei in Bourgoin lebende Offiziere, deren einer Maire von Bourgoin war, als Zeugen ein und erklärte nach einer feierlichen An­sprache, Therese sei von nun an seine Gattin. So wurde diese ehrbare und geheiligte Verbindung in der gan­zen Einfachheit, aber auch in der ganzen Wahrheit der Natur geschlossen. Thatsächlich wäre es bei dem da­maligen Rechtzustande für den Protestanten Rousseau sehr schwer gewesen, ohne seine Ueberzeugung zu verleugnen, mit einer Katholischen eine vor dem Ge­setze giltige Ehe einzugehen. Auch wurde die form­lose Eheschliessung von der Gesellschaft stillschweigend gutgeheissen, Therese galt allgemein als Rousseaus Frau und hat später eine staatliche Pension bezogen, die ihr als der Wittwe Rousseaus zugesprochen wurde.

Der Aufregungzustand Rousseaus, der sich in der Angelegenheit Thevenin kundgiebt, dauerte an. Die Gedanken des kranken Mannes richteten sich vorzugs­weise auf einen neuen Zufluchtort, und die verschieden­sten Pläne tauchten auf. Den Vorschlag, nach Trye zurückzukehren, wiess Rousseau mit Abscheu zurück, auch von der Absicht, die er früher gehegt hatte, in den Sevennen sich niederzulassen, mochte er nichts mehr hören, da er fürchtete, die Feinde möchten ihn gänz­lich in der Einöde einschliessen. Dagegen verfiel er auf den Gedanken, sich nach Cppern zurückzuziehen. Er würde da nicht mehr in der Gewalt der christlichen