Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911) J. J. Rousseau
Entstehung
Seite
303
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Die Epikrise.

Die Epikrise kann kurz sein, denn Rousseaus Irre­sein verursacht keine diagnostischen Schwierigkeiten. Es entspricht vielmehr so vollkommen dem Krankheit­bilde, das als combinatorischer Verfolgungswahn be­zeichnet wird, dass es für diese Form der Paranoia geradezu als Beispiel dienen kann.

Kraepelin(Psychiatrie. S. 340. Leipzig, 1887) Schil­dert den combinatorischen Verfolgungswahn in folgen­der Weise.Den oft über Jahre sich erstreckenden Beginn bilden leichte Verstimmungen, allerlei vage, zum Theil körperliche Beschwerden und Befürchtungen, Misstrauen, hypochondrische Ideen. Der Kranke ist unzufrieden mit Seiner Lage... und geräth allmählich in einen gewissen, zunächst noch wenig markirten Gegensatz zu seiner gesammten Umgebung... Er macht die Bemerkung, dass man ihm bei dieser oder jener Gelegenheit nicht mehr so freundlich entgegen­kommt wie früher, dass man zurückhaltender gegen ihn ist, ihm aus dem Wege geht und trotz manches, wie er meint, heuchlerischen Freundschaftsbeweises nichts mehr mit ihm zu thun haben will. In Folge dessen steigert sich seine Empfindlichkeit und sein Misstrauen; er beginnt, in einer harmlosen Bemerkung, einer zu­fälligen Geberde, einem aufgefangenen Blicke Be­leidigungen und versteckte Andeutungen einer feind­seligen Gesinnung zu argwöhnen. Durch fortgesetzte vorurtheilsvolle Interpretation seiner Wahrnehmungen wird es ihm schliesslich zur Gewissheit, dass er das Opfer einer weitverbreiteten Verschwörung ist. Es kann ihm nicht entgehen, dass auch Fernstehende bereits