Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911) J. J. Rousseau
Entstehung
Seite
302
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Resignation und Tod.

Angabe, dass die Menge dieser Flüssigkeit mehr als acht Unzen betragen habe, befremdend. Vielleicht liegt nur eine oberflächliche Schätzung vor.

Schon sehr bald nach Rousseaus Tode entstand das Gerücht, Rousseau sei durch Selbstmord gestorben. Unmöglich freilich ist eine Selbstvergiftung, um die allein es sich handeln könnte, nicht, aber doch sehr unwahrscheinlich. Man hat an eine Vergiftung durch Schierling geglaubt, doch will damit die Schilderung von Rousseaus letzten Stunden nicht stimmen, denn als Haupterscheinung der Schierlingvergiftung wird auf­steigende Lähmung genannt. Irgendwelche Thatsachen, aus denen auf ein freiwilliges Ende zu schliessen wäre, sind nie beigebracht worden. Die in Betracht kommen­den Umstände sind von Morin und von Brockerhoff eingehend erörtert worden, und es geht aus ihren Dar­stellungen hervor, dass Alle, die sich für die Annahme des Selbstmordes erklärt haben, dies auf sehr schwache Gründe hin gethan haben. Gegen Selbstmord spricht auch die Erwägung, dass Rousseau gerade in seinen letzten Jahren wiederholt den Gedanken an Selbstmord abgewiesen hat, weil er glaubte, dass seine Feinde ihn dazu drängen wollten. Dass der Kranke, der nicht an Sinnestäuschungen litt, in der Zeit der Resignation und der Abschwächung, sich dann doch getödtet habe, ist kaum anzunehmen*).

*) Auch Chatelain, der die Frage eingehend erörtert, spricht sich gegen die Annahme eines Selbstmordes aus.