Manuskript» zur Einsichtnahme an und erbat einen Hinweis auf eine Druckmöglichkeit; mit Rodenbergs «Rundschau» stehe er «seit Jahren auf einem gespannten Fuß». (Schlenther hat bei der Veröffentlidiung der Spielhagen- Briefe alle Bemerkungen gegen Rodenberg unterdrückt!)
Fontane reagierte sofort, und es entspann sich in den folgenden Tagen eine lebhafte Korrespondenz. Fontane schlug am 12. Februar vor, den Essay in Rodenbergs « Rundschau » unterzubringen. Spielhagen sprach in einem Brief vom gleichen Tage von den «Preußischen Jahrbüchern», allerdings fürchte er, « die Professorenweisheit werde sich an meiner allergetreuesten Opposition gegen die Goethesche Unfehlbarkeit stoßen.»
Inzwischen ließ sich Fontane im Familienkreise den Essay vorlesen, und am 15. Februar schrieb er darüber an Spielhagen: « Wir waren alle sehr hingenommen davon, am meisten ich ... Ich bin überall mit Ihnen einverstanden.» Auch «in bezug auf die Technik des Romans» stimmte Fontane zu: «Das Hineinreden des Schriftstellers ist fast immer vom Übel, mindestens überflüssig. Und was überflüssig ist, ist falsch. Allerdings wird es mitunter schwer festzustellen sein, wo das Hineinreden beginnt. Der Schriftsteller muß doch auch, als er, eine Menge tun und sagen. Sonst geht es eben nicht oder wird Künstelei. Nur des Urteilens, des Predigens, des klug und weise Seins muß er sich enthalten.» Wiederum erbot sich Fontane, wegen des Aufsatzes mit Rodenberg zu korrespondieren, er fügte allerdings hinzu: «Ich halte es nicht für wahrscheinlich, daß er ,ja‘ sagt. Denn erstens gehört er zu denen, die gleich stramm stehn und den Zeigefinger an die Biese legen, wenn der Name Goethe bloß genannt wird. Zweitens wird es ihm gegen den Strich sein, mich mit meinem Roman so frisch, fromm, frei neben den Halbgott gestellt zu sehen. Daß ,Effi Briest“ in der .Rundschau“ stand, kommt vielleicht als Erschwerungsmoment hinzu.»
Spielhagen dankte am 17. Februar für die «freundliche und verständnisvolle Aufnahme» und wünschte dem «Attentat auf Rodenbergs Seelenfrieden» viel Erfolg. Fontane unternahm dieses «Attentat» in einem ausführlichen Brief an Rodenberg vom 18. Februar, in dem er den Inhalt des Essays referierte und dem «Rundschaus-Herausgeber die Ablehnung praktisch in den Mund legte. Rodenberg lehnte tatsächlich ab, und Fontane teilte dies am 20. Februar Spielhagen mit: «Vielleicht sind wir auch beide einig darin, daß gerade Rodenberg nicht gut anders konnte. Seine Natur ist friedlich, und Ihre Studie wirft einer erdrückenden Majorität den Fehdehandschuh hin.» Spielhagen bedankte sich noch am 20. Februar für die versuchte Vermittlung und fuhr dann fort: «... über dem allen habe ich Ihnen noch immer nicht gesagt, daß ich einen Roman geschrieben habe, dessen Thema mit dem des Ihren sehr viel Verwandtes hat. Ich machte diese Entdeckung natürlich erst, als ich ,Effi Briest“ gelesen, was - zu meiner Schande sei es gesagt - nur unlängst geschehen. Mein Roman, der sich ,Zum Zeitvertreib“ betitelt, geht eben in ,Dies Blatt gehört der Hausfrau“ zu Ende und wird am 1. April als Buch