Heft 
(1891) 66
Seite
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Unwiederbringlich.

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Schwarzkoppen hatte das Alles mit einem gelegentlichennur zu wahr" be­gleitet und an seiner Zustimmung war nicht zu zweifeln. Nun aber schwieg Arne, weil ihm die bloße Zustimmung nicht genug war und er gern ein aus­führliches Wort von Seiten Schwarzkoppen's hören wollte. Dieser verrieth in­dessen wenig Lust, das Thema weiter sortzuspinnen: es War ihm ein zu heißes Eisen, und nach Arnewiek hinüberweisend, das in eben diesem Augenblick jenseits einer tief einbuchtenden Föhrde sichtbar wurde, sagte er:Wie reizend die Stadt im Mondlichte daliegt! Und wie der Damm drüben die Dächer ordentlich ab- schneidet und dazu die Giebel zwischen den Pappeln und Weiden! Und nun Sanct Catharinen! Hören Sie, wie's herüberklingt. Ich segne die Stunde, die mich hierher in Ihr schönes Land geführt."

Und dafür sollen Sie bedankt sein, Schwarzkoppen. Jeder hört es gern, wenn man ihm seine Heimath preist. Aber Sie wollen mir bloß entschlüpfen. Ich fordere Sie auf, mir beizustehen in dieser schwierigen Sache, die viel schwieriger liegt, als Sie vermuthen können, und Sie zeigen aus den Damm drüben und sagen mir, daß er die Dächer abschneidet. Versteht sich, thut er das. Aber damit kommen Sie mir nicht los. Sie müssen meiner Schwester, bei dem Einfluß, den Sie auf sie haben, von der Bibelseite her beizukommen und ihr aus einem halben Dutzend Stellen zu beweisen suchen, daß das nicht so ginge, daß das Alles nur Selbstgerechtigkeit sei, daß die rechte Liebe von diesem ver­steckten Hochmuth, der nur in Demuthsallüren einhergeht, nichts wissen wolle, mit anderen Worten, daß sie sich ändern und ihrem Manne zu Willen sein müsse, statt ihm das Haus zu verleiden. Ja, Sie können hinzusetzen, und halb entspricht es auch der Wahrheit, daß er die ganze Kopenhagener Stellung wahr­scheinlich längst aufgegeben hätte, wenn er nicht froh wäre, dann und wann aus dem Druck herauszukommen, den die Tugenden seiner Frau, meiner geliebten und verehrten Frau Schwester, auf ihn ausüben."

Ach lieber Baron," nahm jetzt Schwarzkoppen das Wort,ich will Ihnen nicht eigentlich entschlüpfen, das ist es nicht, es fehlt mir nicht der gute Wille, mach meiner Kraft mitzuwirken, denn ich sehe die Gefahr, wie Sie sie sehen. Aber mit dem guten Willen ist wenig gethan. Wenn Ihre Frau Schwester statt eine protestantische Gräfin eine katholische Gräfin, und wenn ich selber statt ein Seminardirector in Arnewiek ein Redemptoristen- oder Wohl gar ein Jesuitenpater wäre, so wäre die Sache sehr einfach. Aber so liegt sie nicht. Von Autorität keine Rede. Alles rein gesellschaftlich, und wenn ich Miene machen wollte, den Seelenarzt, den Beichtvater zu spielen, so wär' ich ein Eindringling und thäte etwas, was mir nicht zukommt."

Eindringling," lachte Arne.Ich kann doch nicht annehmen, Schwarz­koppen, daß Ihnen Petersen Sorge macht, der mit seinen beinahe Achtzig nach­gerade an einem Punkt steht, wo das Rivalifiren und llebelnehmen aufhört."

Nicht Petersen," sagte Schwarzkoppen.Der hat freilich die kleinen Eitel­keiten, die sonst nirgends größer find als bei meinen Pastoralen Amtsbrüdern, längst hinter sich geworfen und würde mir die Rolle des Bekehrers und Wunder- khäters gönnen. Aber was einem der Zufall bietet, darf man nicht immer aus­nutzen. Es spricht hier so Vieles dagegen, erschwert und mahnt zur Vorsicht."