Heft 
(1891) 66
Seite
228
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Aus Wilhelm von Humboldts Studienjahren.

Mit ungedruckten Briefen.

Von

Paul Schwenke.

Am 23. April 1788 wurde Wilhelm von Humboldt als stuckiosus surw in Göttingen immatrikulirt. Er stand, damals fast einundzwanzig Jahre alt, nicht mehr am Anfang feiner akademischen Studien. Schon im Winter 178586 hatte er in Berlin zusammen mit feinem Bruder Alexander private Vorlesungen über SLaatswifsenfchaften und Naturrecht bei Dohm und Klein gehört, dann den folgen­den Winter, ebenfalls mit seinem Bruder, auf der Hochschule zu Frankfurt a. O. zugebracht. Dies Alles unter der Leitung und Aufsicht ihres Hofmeisters Kunth, des nachmaligen Staatsraths, eines vortrefflichen, wenn auch etwas pedantischen Mannes, welcher schon im Jahre 1777 die Erziehung der Brüder übernommen hatte und sie nach dem Tode des Vaters (1779) unter dem vollen Vertrauen der besorgten Mutter sortsührte. Gewissenhaft und mit großem Erfolge bemüht, die wissenschaftliche Ausbildung seiner Zöglinge zu fördern, hatte er allerdings für Wilhelm's Charakteranlage nicht das volle Verständniß und dieser, im Denken und Fühlen über seine Jahre hinaus selbständig, empfand drückend den Zwang, den man ihm anthat. Mit um so größerer Freude begrüßte er nun die Ueber- siedelung nach Göttingen, wo er sich zum ersten Mal allein, seiner eigenen Führung überlassen finden sollte.

An dieser Universität, Welche eben in ihr zweites Halbjahrhundert eingetreten war, boten sich ihm Anregungen nach vielen Seiten. Nicht nur seine eigentlichen Fächer, Jurisprudenz und Staatswisienschaft, sondern auch die historisch-philo­logischen Studien standen in hoher Blüthe. In der juristischen Facultät lehrten, um nur die bekanntesten Namen zu nennen, Pütter und Martens, in der philo­sophischen Schlözer, Gatterer, Heyne. Es ist leider nicht mehr zu ermitteln, welche Vorlesungen Humboldt während der drei Semester, die er in Göttingen zubrachte, gehört hat und an welche Lehrer er auch persönlichen Anschluß suchte. In seinen Briefen, soweit diese bekannt sind, spricht er davon fast gar nicht. Nur das steht fest, daß ihn Heyne besonders anzog. Wenn auch Humboldt