Heft 
(1891) 66
Seite
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Deutsche Rundschau.

drückten Worte das aus? Dann einmal im Scherz. Weil I. und B. immer Heirathsplane haben, so hatten L. und ich gescherzt, ich würde Lotten ft heirathen; als wir einmal in Burg- örner am Tisch saßen, fragt mich L.:Willst Du noch Lotten nehmen?" und ich Gott weiß

warum sage nein.Auch mich nicht?" fuhr sie fort.Noch weniger." Ihre Miene darauf; es

gibt Augenblicke, wo Scherz und Ernst sich gattet; so einer war das. Endlich gab sie mir Briefe von Dir an sie. Ich weiß nicht, ob Du's weißt, also sei behutsam, aber sie enthielten nichts, als

was uns betraf. Du sprichst darin oft, sehr oft von einer Verbindung mit mir, o! ich danke der

Wärme Deines Gefühls für mich, für jedes Wort, das Deine zärtliche Freundschaft da sagt, aber Du redest im Tone der Ueberredung, das möcht ich nicht. O! ein Weib kann sehr unglücklich sein mit dem besten Mann! Bist Du nicht selbst verheirathet, Kar. Weißt Du nicht selbst, wie manchmal selbst der beste Mann die Feinheit der Gefühle einer schönen weiblichen Seele verletzen, wie es schmerzen kann, nicht zu erwiedern, was der Andre fühlt, ihn vielleicht durch seine eigne Schuld aber gilt das hier nicht gleich? getäuscht zu sehn? Was L. auf diese Briefe geantwortet hat, das, Kar., möcht' ich wissen. L.'s Glück, das Glück Deines W.'s hängt daran, versage mir die Bitte nicht. Ich fordre nicht die Briefe selbst, wir verstehn uns ja darüber, schreibe mir nur wörtlich die Stellen ab, sage mir, was in Lauchstädt vorging, was früher und später. Aber gern möcht' ich das haben, ehe ich zu L. käme, und wahrscheinlich komme ich erst von ihr zu Dir. Schreibe mir also ausführlich und schicke den Brief entweder an Becker oder an Generalsuperintendenten Löffler in Gotha. Ich komme unfehlbar zuerst nach Gotha, und so stehe ich Dir für allen Jrrthum. Bitte nur den, an den Du ihn schickst, ihn bis zu meiner Ankunft aufzuheben. Ich komme frühestens Mitte November.

Nun noch ein Wort von mir, Kar. Ich rede nicht gern von mir, aber ich muß. Du sagst einmal in den Briefen:Du glaubtest bemerkt zu haben, der Wunsch, L. zu besitzen, liege in meiner Seele, aber ich fürchte mich, ihn mir selbst zu gestehn. Ich will offen fein, ganz offen. Nein, nie lag dieser Wunsch in mir, nie als Wunsch für mich; aber wenn L. mein zu sein wünscht, wenn sie es wünscht, ohne sich zu täuschen, ohne dem Rath Deiner Liebe zu folgen, so will ich es, und so wird es mich glücklich machen, Alles, selbst meine Gefühle, L. aufzuopfern. O! meine Zärtlichkeit für sie ist zu unaussprechlich, die Bande, die mich an sie fesseln, sind zu fest, als daß es Aufopferung wäre. Und ich liebe ja keine Andere wenigstens keine, die ich besitzen könnte. Leb wohl, ich kann unmöglich heute weiter schreiben. Leb wohl! In Deinen Händen ist L.'s Glück! O! vergiß das nie, denke an Niemand als sie! Leb wohl!

Ich schrieb diese Blätter vor ein paar Tagen. Gott, Kar., wenn Du mich mißverständest, wenn Tu glaubtest, ich liebte L. weniger! Ich sprach von Aufopferung. Aber es ist nicht Auf­opferung, es ist für L., es ist Genuß des höchsten denkbaren Glücks!Es ist ein schönes Los, L. glücklich zu machen!" sagte einmal K., und dies Los würde mein. Und wie könnte ich nicht glücklich sein mit ihr, nicht glücklich im ununterbrochnen Anschaun und Bewundern der schönsten, reinsten, feinsten weiblichen Seele! Wie mich das jetzt schon beseligt! Aber ich sah sie als K.'s Verlobte an, darum lag nie jener Wunsch in mir. Doch wozu der vielen Worte! O! Kar., Du liebst mich, und die sich lieben, die verstehen einander! Leb wohl!

Humboldt's Brief kam mir ganz eigen vor," schreibt Lotte an Schiller H. Doch, denke ich auch, streitet er jetzt selbst mit seinen Gesichten, weil er noch nicht gewiß Weiß, daß Karoline sich ebenso gern mit ihm verbände wie mit Laroche, und er gesteht sich nicht so, wie er sie liebt." Ihre Sympathien sind mehr auf Seiten Laroche's, für den nur die Einwilligung des Vaters nicht so leicht zu erreichen war. Richtiger und verständiger urtheilte die Schwester. Sie war überzeugt, daß Humboldt trotz aller Bedenken die Freundin wirklich liebe;

ft Charlotte vou Lengefeld.

ft Fielitz, Bd. II, S. 124. Zu dem Folgenden s. ebendaselbst S. 195 ff.