Heft 
(1891) 66
Seite
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Deutsche Rundschau.

der ausgedehnten äquatorialen Provinzen, wird von Chartum gebildet, das auch ein commercieller Mittelpunkt für die meisten der genannten Landschaften ist. Von Kairo, dem Stapelplatz für alle europäischen und ägyptischen Maaren, mit denen jene versorgt werden, kann man entweder längs des Nils theils zu Wasser, theils zu Lande nach Chartum reisen, oder man begibt sich nach Suakin am Rothen Meer und von dort über Berber am nordöstlichen Nilbogen ebendorthin. Am zeitersparendsten ist der letztere Weg, aus dem die Strecke von Suez nach Suakin eine viertägige Seereise erfordert und die verkehrsreiche Karawanenstraße von Suakin nach Berber in zwölf bis vierzehn Tagen zurückgelegt wird. Diesen Weg wählen gern die in der Gegend von Kafsala, in Gallabat, in Sennar und zum großen Theil die in Chartum wohnenden Kausleute, die sich in Kairo mit Waaren versehen haben. Die in Nubien, Kordofan und vielfach in Chartum ansässigen Händler hingegen ziehen meist den Nil stromaufwärts. In Süd-' Dongola begeben sich Diejenigen, deren Ziel Chartum ist, durch die Bajuda- Steppe dorthin, während die nach Kordofan bestimmten Kaufleute direct nach Obei'd, der Hauptstadt dieses Landes reisen.

Den Handel in dieser ganzen Gegend vermitteln vorzugsweise die Berabra, welche Nubien ausschließlich, Gallabat mit Negern und Arabern, (Dschaliin) vermischt, Sennar zusammen mit Negern (Fundoch) und Kordofan in Gemeinschaft mit Arabern bewohnen. Diese Berabra (d. h. Berber) und die unter ihnen und mit ihnen vermischt lebenden Araber bilden die weit und breit bekannte Kaste der Dschellaba (d. h. eigentlich: importirende Kaufleute), in deren Händen auch zum großen Theil der Handel von Dar-For und Wadai ist, wo sie zahlreiche Colonien gegründet haben, und die ihre kaufmännischen Unternehmungen bis nach Bagirmi und Bornu, wo sie ebenfalls, wenn auch nur vereinzelt ansässig sind, ausdehnen. Diese Dschellaba, besonders diejenigen aus Dongola, Berber und Kordofan sind hervorragend thatkrästige und unternehmende Leute, denen Afrika die Eröffnung manchen Handelsweges verdankt, die aber auch am rücksichtslosesten Sklaven­jagden und Sklavenhandel in den Gebieten der westlichen Zuflüsse des Weißen Nils unter dem Vorwände der Elephantenjagd und des Elfenbeinhandels be­trieben haben.

Die aus Kairo in die genannten Länder importirten Waaren sind fast für alle dieselben und bestehen in Baumwollstoffen, Seide, Halbseide, Sammt, Tuch, Bernstein, Korallen, Achat, Glasperlen, Turbanstoffen, rothen Mützen, Antimon, Papier, Schießpulver, Gewehren, Zucker, Lederwaaren aller Art, zu denen von Suakin noch indische Gewebe, Sandelholz und andere wohlriechende Hölzer kommen. Die dagegen mittelbar oder unmittelbar eingetauschten oder mit baarem Gelde (M.-Th. Thlrn.) angekauften Waaren sind Straußfedern, Gummi, Elfen­bein, Tamarinden, Kaffee, Häute und Felle, Wachs und noch immer Sklaven, wenn diese auch nicht mehr zu öffentlichem Verkauf gelangen. Einen nicht un­beträchtlichen, wenn auch nicht regelmäßigen Beitrag zum Exporthandel dieser Gegenden liefert der afrikanische Thierhandel, der die zoologischen Gärten Europas versorgt und neuerdings vorzugsweise von Deutschen betrieben wird. Nach dem Rothen Meere gehen auch Waaren aus dem Wege von Kenek nach Kosei'r (circa eine Woche) und von Kafsala nach Suakin (in circa zwei Wochen). Aus jenem