Die Berkehrs- und Handelsverhältnisse Nordafrikas.
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gelangen Getreide und Hülsenfrüchte zur Ausfuhr nach Arabien, auf diesem Durra, Gummi, Senna und die sudanischen Maaren, theils zur Weiterbeförderung nach Sues, theils zur Ausfuhr nach Arabien.
Dar-For, das 1875 dem ägyptischen Reiche einverleibt wurde, steht mit dem eigentlichen Aegypten noch durch einen besonderen Karawanenweg in Verbindung, der von Siut am Nil über die Oasen Chardscha und Selima in südwestlicher Richtung nach dem Norden des genannten Landes führt und Drib el-arbai'n, d. h. „Weg der vierzig" (nämlich Tage) heißt. Die Straße ist sehr Wasser- und vegetationsarm und muß deshalb sehr schnell bereist werden. Wenn man die des Wassers und Krautwuchses nicht entbehrende Erdstrecke des Weges abrechnet, so wird die Reise in vierzig Tagen ausgeführt. Die diese Straße bereisenden Kaufleute stammen meist aus der Dschellaba-Kolonie Kobe, der Haupthandelsstadt Dar- Fors, oder aus Siut selbst und verfügen gewöhnlich über ein verhältnißmäßig ansehnliches Capital. Es ist nicht selten, daß ein Einzelner Straußfedern oder Elfenbein im Werthe von 1000 Stg. nach Norden führt und für den Erlös derselben Waaren auf demselben Wege zurückführt.
Die Wasser- und Futterarmuth des Weges erschwert und vertheuert den Transport erheblich; nur die besten Kameele können zu dieser Reise verwendet werden, und die meisten derselben gehen am Ziele zu Grunde. Die kleineren Kausleute schlagen daher meistens den Wasser- und weidereicheren Weg über Kor- dofan nach den Nilländern ein. Karawanen auf dem directen Wüstenwege kommen ein oder höchstens zweimal im Jahre zu Stande, denn es ist eine große Anzahl von Kaufleuten erforderlich, um sich bei der verlockenden Größe des von einer Karawane repräsentirten Kapitals gegen räuberische Nomaden (Zoghawa und Araber) vertheidigen zu können. Die Kameele zu diesen Reisen werden von den im Norden Dar-Fors wohnenden Zoghawa und Arabern, deren Zucht in hoher Blüthe steht, geliefert. Sie tragen vier bis fünf Centner außer dem Wasser- vorrath, der zu jeder Last hinzugefügt wird.
Die Handels- und Verkehrscentren in Dar-For sind außer der Dschellaba- Colonie Kobe der Dschellaba-Ort Omschanga (Omm Meschana), der nahe der Grenze Kordofans liegt, Tendelti (auch el-Fascher genannt), die Regierungshauptstadt des Landes, Tineat im Westen des Landes, endlich Dara und Schekka im Süden. Der Hauptwerthmesser ist der Maria-Theresia-Thaler, und fast denselben Werth hat die Makta (Stück) Cham, ein geringwerthiges ungefärbtes Baumwollengewebe in Stücken von circa dreißig kurzen Ellen Länge. Als Kleingeld sungiren die Tirek oder Terek, viereckige Stücke sehr losen und dünnen Baumwollenstoffes, die in Siut dunkelblau und hellblau gefärbt worden, und von denen eine gewisse Anzahl, je nach dem Curs, und zwar von jeder Farbe gleich viele, auf den Thaler oder das Stück Cham gehen. Außerdem können bessere gebleichte und ungebleichte Baumwollenstoffe, abgepaßte Stücke Halbseide, Sammt, bunter Kattun, Schmucksachen aus Achat, Bernsteinperlen, echte Korallen, Kaftans rc. leicht abgesetzt werden.
Auf den Märkten muß man genau wissen, welcher Kausmittel man sich zur Erwerbung eines bestimmten Gegenstandes bedienen kann. Zum Ankauf der täglichen Lebensbedürfnisse (Getreide, Gemüse u. dergl.) dienen gewöhnlich die
Deutsche Rundschau. XVII. -I. 17