258
Deutsche Rundschau.
Tirek; Gegenstände geringeren Werthes, wie Korbflechtereien, Tamarinden, Hühner, Eier, Milch werden gegen Schmuckgegenstände der Frauen (Stücke Korallen und Achat, Porzellan-, Glas- und Bernsteinperlen) erworben, und wollte man zur Zeit meiner Anwesenheit im Lande ein Schaf oder eine Ziege kaufen, so mußte man im Besitz großer, womöglich milchiger Bernsteinperlen sein. Werthvollere Gegenstände, wie Pferde, Kameele, Straußfedern, Elfenbein, Sklaven wurden mit Maria-Theresiathalern oder Stücken Cham bezahlt.
III.
Das westlich von Aegypten gelegene Tripolitanien bietet einfachere Verhältnisse des Handels und Verkehrs dar. Da es eigentlich ganz und gar der Wüste angehört, hat es, obgleich fast doppelt so groß als das Deutsche Reich, doch kaum über eine Million Einwohner, ist für den Ackerbau wenig geeignet und bietet der Bevölkerung keine Anregung zu industrieller Thätigkeit. Es ist mehr als irgend ein nordafrikanisches Land auf den Verkehr mit der Sahara und dem Sudan angewiesen, und in der That hat in ihm der Karawanenverkehr die größte Ausbildung erfahren. Nur ein schmaler Küstenstrich nimmt Theil an den subtropischen Herbst- und Winterregen und eignet sich theilweise zum Ackerbau: so das fruchtbare Barka und der Nordwesten des Landes, wo die Küstengebirge die Niederschläge begünstigen. In keiner Gegend der Sahara drängt sich dem Beobachter die Wahrscheinlichkeit der Ansicht, daß der Austrocknungs- proceß der großen afrikanischen Wüste noch nicht beendigt sei, so lebhaft auf als im Norden Tripolitaniens. Auf Schritt und Tritt stößt man auf die sorgfältigsten Arbeiten zur Wasserregulirung aus dem Alterthum, während die Niederschlagsverhältnisse der Gegenwart denselben kaum irgend eine Existenzberechtigung geben würden.
Auf dem Nordrande des ungeheuren Gebietes werden außer Getreide (Weizen und Gerste) noch Oliven, Mandeln, Feigen, Orangen, Granatäpfel, Wein, Melonen und verschiedene Gemüse gebaut. Dann folgt in den Thälern der Küstengebirge und auf dem Südabhange derselben, sowie am Südwestumfange der großen Syrte und aus dem Plateau von Barka eine mehr oder weniger Weidereiche Zone, in der arabische oder arabisch-berberische Nomaden Kameele und Kleinvieh züchten. Südlich von dieser Region liegt die Wüste, in deren Oasen die Dattelpalme aus das Herrlichste gedeiht, während unter mühsamer Bewässerung in Gärten das nöthigste Getreide — sowohl nordisches (Weizen und Gerste) als sudanisches (Durra und Duchn) — gebaut wird.
Im Osten des nördlichen Tripolitaniens ist Benghasi (das alte Berenice) der Hauptplatz für Handel und Verkehr. Andere Häfen, die für Küstenfahrer zureichen, sind daselbst Tobruk und Bomba, und der wichtigste Platz von Barka ist Wohl Derna. An der kleinen Ehrte liegen weiterhin Mesrata, Lepta (Osptis inaZna) und Tripolis, dessen Hasen durch eine einigermaßen absperrende Felsenreihe ziemlich gesichert ist. Die ganze große Syrte war im Alterthum von den Schiffern so gefürchtet, daß sie möglichst gemieden wurde. Dieser Umstand und die geringe natürliche Productionskrast des Landes erklären es auch, daß bis vor Wenigen Jahren noch keine regelmäßige, periodische Dampferverbindung zwischen