Heft 
(1891) 66
Seite
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Die Verkehrs- und Handelsverhältnisse Nordafrikas.

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Tripolis und Europa bestand. Jetzt laufen allwöchentlich italienische (Comp. Rubattino) und französische (Comp. Transatlantique) Schiffe von Tunis längs der Küste bis Tripolis und verbinden diese Stadt auch mit Malta. Weniger regelmäßig ist der Verkehr mit Benghasi, der durch türkische Dampfer vermittelt Wird. Tripolis ist mit Benghasi (und Alexandrien) und mit Malta durch einen Kabeltelegraphen in Verbindung.

Die hauptsächlichsten Eingangs- und Ausgangspunkte für den Handel sind Tripolis und Benghasi. Zum Waarenaustausch mit Europa dient außer den sudanischen Producten zuweilen das Getreide, besonders Gerste, und gewöhnlich bescheidene Mengen von Oel, Wolle, Schlachtvieh, Senna, Honig und Wachs, rohe und gegerbte Ziegenselle, Südfrüchte, Schwefel, welcher am westlichen Um­fange der großen Syrte gewonnen wird, und Natron, welches sich in Fezzan in großer Menge und zu geringstem Preise findet. Daß die Ausfuhr von Datteln aus Fezzan, wo dieselben sowohl in vortrefflicher Qualität als auch in reichen Ernten gewonnen werden, so geringfügig ist, erscheint fast unbegreiflich. Ein neuerdings zu großer Bedeutung gelangter Artikel, das Halsagras (Esparto), hat dem Handel von Tripolis einen außerordentlichen Aufschwung gegeben und geht größtenteils nach England zur Papierfabrikation. Die im Ganzen unbedeutende Industrie Tripolitaniens, welche Seiden-, Wollen- und Baumwollenwaaren, Lederarbeiten, Waffen und andere Metallwaaren liefert, kommt größtentheils für den inländischen Bedarf, und nur zum geringsten Theil für den Export in die Negerländer in Betracht. Von Europa werden in Tripolis eingeführt: englische gebleichte und ungebleichte Baumwollenwaaren, bunte Kattune, farbiges Tuch, rothe Mützen, Korallen, Bernstein, Glas- und Porzellanperlen, Essenzen, Nürn­berger Maaren, Pulver, Blei, Papier, Eisenwaaren, Holz, Metalle, Rohseide, Seidenwaaren, Sammet, Stricke, wollene und halbwollene Stoffe. Dieselben Werden zum kleineren Theile im Lande verbraucht, zum größeren in die Neger­länder exportirt. Am meisten (zu ungefähr drei Vierteln) ist England an diesem Einfuhrhandel betheiligt; dann folgen Deutschland, die Schweiz, Frankreich, Belgien, Italien, Oesterreich-Ungarn, die Türkei u. s. w. Die Einfuhr beträgt durchschnittlich etwa zehn Millionen Francs, die Ausfuhr gegen zwölf Millionen Francs jährlich.

Der Verkehr mit den Sudanländern, auf den Tripolitanien vorzugsweise angewiesen ist, wird durch seine sich weit in die Wüste hineinerstreckenden Oasen­gruppen wesentlich erleichtert. Im Süden von Benghasi liegt die Oasengruppe Audschila-Dschalo und weiter in derselben Richtung der Oasenarchipel Kufra; im Süden von Tripolis die oasenreiche Provinz Fezzan, und südlich von der alten Handelsstadt Ghadamcs die Tuarikstadt Ghat. Alle bilden wichtige Rast- und Verproviantirungsplätze für die Karawanen, Sammelpunkte für Menschen und Maaren, die um so werthvoller sind, als von ihnen eine gewisse Sicherheit auf einen Theil der zu bereisenden Wüstenstraßen ausstrahlt. Der östlichste der tripolitanischen Karawanenwege zum Sudan führt von Benghasi über Dschalo nach Wadcü' und ist im Anfänge dieses Jahrhunderts, auf Betrieb eines Königs von Wadcü, nicht ohne schwere Verluste von Menschen und Thieren eröffnet worden. Nachdem er später aufs Neue für lange Zeit unbenutzt gelassen worden