Heft 
(1891) 66
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Deutsche Rundschau.

War, wird er seit einigen Jahrzehnten wieder, und zwar regelmäßig bereist, vorzugsweise von Medschabra, den Bewohnern Dschalos. Diese Oase bildet den eigentlichen Ausgangspunkt der Wadai-Karawanen, denn Benghasi kommt nur so weit in Betracht, als die Dschalo-Leute ihre Handelsgüter daselbst einkaufen, wofern sie es nicht in Aegypten thun. Dschalo liegt ungefähr zehn Tagereisen von Benghasi entfernt und ist mit Unterägypten durch einen Karawanenweg verbunden, der die Pflanzstätte der fanatischen Glaubenswächter, die nach ihrem Stifter Senusija genannt werden, und die Jupiter-Ammonsoase berührt. Die Senusija sind die eigentlichen Herren des Weges nach Wadai', haben einen maß­gebenden Einfluß auf die Nomadenstämme Barka's und die Medschabra und sind im tatsächlichen Besitz des Oasenarchipels Kufra. Der Weg ist sowohl nördlich als südlich von Kusra außerordentlich schwierig in Folge seiner Wasserarmuth. Wochenlang wird von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang ohne Unterbrechung marschirt, denn auf beiden Strecken trifft der Reisende während einer Woche und länger auf keinen Wasserplatz. Die Kufra-Oasen bilden dazwischen nicht allein durch ihren Reichthum an Datteln eine wichtige Proviantstation, sondern auch einen unersetzlichen weidereichen Rastplatz für die Kameele. Etwa vierzehn Tage­märsche südlich von der letzten dieser Oasen, und noch einmal so weit entfernt von Dschalo folgt dann die kleine Oasengrnppe Wanjanga, von wo ab der Weg durch häufige Brunnenstationen und fortlaufende Weideplätze bequemer wird. In Wanjanga und dem in seinem westlichen Rande berührten Ennedi versehen sich die Reisenden mit dem in Wadai hochgeschätzten rothen Steinsalz, das zwischen diesen beiden Landschaften aus dem Boden gebrochen wird, und erreichen nach zwei weiteren Wochen Abesche, die Hauptstadt Wadais. Der Vorzug dieser Karawanenstraße, die von den energischen Medschabra trotz der angedeuteten Beschwerlichkeiten einschließlich des Aufenthaltes in Kusra und Wanjanga in zwei Monaten zurückgelegt wird, besteht in der fast absoluten Sicherheit vor Ueber- fällen seitens räuberischer Nomaden, die man in ihrem nördlichen Theile der selbst für die Sahara ungewöhnlichen Spärlichkeit der Existenzmittel, und im südlichen der strengen, ihre Macht bis über Ennedi und Wanjanga nach Norden ausdehnenden Wadäi-Regierung zu danken hat.

In Wadai, wo die Hauptstadt Abesche und die Dschellaba-Colonie Nimro fast die einzigen von fremden Kaufleuten besuchten Handelsplätze sind, wird unter dem Schutze der Regierung ein sehr lohnender Handel getrieben. Da das Land erst seit verhältnißmäßig kurzer Zeit in den weiteren Handelsverkehr getreten ist und von den nächsten Nachbarn wegen der Rohheit und Ungastlichkeit der Be­wohner gern gemieden wird, so sind die beiden von den nordischen Kaufleuten hauptsächlich gesuchten Handelsartikel Straußfedern und Elfenbein in größerer Menge daselbst vorhanden als in den Nachbarländern. Die staatliche Macht Wadais erstreckt sich überdies weit in die Wüste hinein, die in dem breiten Steppenrande ihres südlichen Theiles dem Strauß die günstigsten Lebensbedingungen bietet und ihm die schönsten Federn sichert. Für das Elfenbein hat das Land außerdem in seinem äußersten Süden im Lande Rnnga mit dem District Kuti eine vorläufig noch unversiegbare Fundgrube. Dorthin werden aus dem commerciell