Heft 
(1891) 66
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Die Verkehrs- und Handelsverhältnisse Nordafrikas. 261

noch gänzlich jungfräulichen Quellgebiete des Schari die daselbst aufgespeicherten Elephantenzähne zu Markte gebracht.

Da die Bewohner Wadais noch nicht so vorgeschritten sind in der Gesittung Wie ihre Nachbarvölker, so sind auch ihre Bedürfnisse einfacher geblieben, und unter den von ihnen begehrten Tauschwaaren überwiegt noch sehr viel mehr als in den übrigen Sudanländern der weiter oben beschriebene Baumwollenstoff Cham, von dem das etwa dreißig Ellen lange Stück (Malta) gewissermaßen den Maria-Theresiathaler vertritt. Dieser selbst hat nur beschränkte Geltung. Das Kleingeld wird durch im Lande gewebte, grobe Baumwollenstreifen, die in ver­schiedener Länge und Breite vertreten sind (zumeist etwa vier Ellen lang und eine Spanne breit), durch Glas- und Porzellanperlen, einzelne Bogen Papier, Bernsteinperlen, Korallenftückchen u. s. w- dargestellt. Um diese Gegenstände werden die täglichen Lebensbedürfnisse, und hier und da auch die minderwerthigen Ausfuhrartikel (Tamarinden. Wachs, Rhinoceroshörner u. dgl.) angekauft, während Straußfedern und Elfenbein in Stücken Cham bezahlt werden müssen.

Ungleich verkehrsreicher als die Straße Benghasi-Dschalo-Wadai ist der Wüstenweg, welcher von der Stadt Tripolis über Fezzan nach Süden verläuft. Dieser hat drei Endpunkte: Wada'i, Bornu und die Haussastaaten, und führt im ersten Falle nach Murzuk in Fezzan und von hier in südöstlicher Richtung durch die Tubuländer nach Wada'i; im zweiten über Murzuk und Kawar nach Bornu, im dritten durch das westliche Fezzan nach Ghat und von hier durch das Tuarik- land Air nach Kano. Alle drei Straßen sind sich darin gleich, daß das erste Drittel, d. h. die Strecke bis Fezzan, in tripolitanisches Gebiet fällt-

Der Oasencomplex Fezzan, dessen Hauptort Murzuk in vier- bis sechsund­zwanzig Tagereisen von Tripolis erreicht wird, und Sammelplatz der nach Süden gehenden Karawanen ist, bietet durch seinen Reichthum an ausgezeichneten Datteln und vortrefflichen Kameelen und durch seinen lebhaften Marktverkehr dem Reisen­den die beste Gelegenheit, sich Transporterforderniffe und Mundvorrath zu ver­schaffen und seine Waarenausrüstung zu vervollständigen. Murzuk steht überdies in regelmäßiger Verbindung mit Tripolis durch eine Kameelpost, Welche wöchentlich einmal von den beiden Endpunkten ab geht und achtzehn Tage zur Vollendung der Reise gebraucht.

Diejenigen Kaufleute, welche den oben beschriebenen schwierigen Weg von Dschalo nach Wada'i scheuen, begeben sich nach Murzuk, um von hier aus durch die Tubuländer ihr Ziel zu erreichen, Bis in den Anfang dieses Jahrhunderts bestand aus diesem Wege die einzige Verbindung Tripolitaniens mit Wadai. Als dann die dritte Straße entdeckt worden war, ließ man jenen um so lieber fallen, als die Bösartigkeit der Tubustämme es nur größeren Karawanen er­möglichte, die Reise in Sicherheit zurückzulegen. Seitdem der Einfluß der Regierung von Fezzan auf die Tubu ein größerer geworden ist, hat man diese Straße, welche sich am südwestlichen Fuße der Tibestiberge hinzieht und dann das dattelreiche Tubuland Borku durchschneidet, wieder ausgenommen. Von Murzuk aus erreicht man in längstens einem halben Monat die nördlichen Thäler Tibestis, gelangt von hier in ungefähr demselben Zeitraum nach Nordborku, und hat von dort aus, um nach Abesche in Wada'i zu gelangen, ebenso viel Zeit