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Deutsche Rundschau.
nöthig. Im Nothsalle kann die Entfernung von Tripolis nach Wada'i auf diesem Wege sogar in zwei Monaten zurückgelegt werden. Der Weg ist mit Ausnahme der wasserarmen Strecke zwischen Süd-Fezzan und Tibesti verhältnißmäßig bequem, doch ist er in seinem südöstlichen Theile den räuberischen Uebersällen seitens des Araberstammes der Aulad Soliman, welche in Kanem und Borku Hausen, ausgesetzt.
Besuchter als der im Vorstehenden beschriebene Weg ist derjenige, welcher über Murzuk und die Oase Kawar nach dem Tsadsee führt und sein commer- cielles Ziel in Kuba, der am Westufer des Sees gelegenen Hauptstadt Bornus, findet. Man darf auf die Zurücklegung desselben zu kaufmännischen Zwecken rund drei Monate rechnen, deren jeder ungefähr einem der durch Murzuk, Bilma (in Kawar) und Kuka begrenzten Drittel entspricht. Diese älteste bekannte Wüstenstraße ist, durch die große Anzahl der von ihm berührten Oasen und Wasserstationen, der bequemste unter allen Karawanenwegen, welche die Nordküste Afrikas mit dem Sudan verbinden. Selten nächtigt man zweimal hintereinander, ohne Brunnen anzutreffen; dadurch wird nicht allein der Transport des schwer wiegenden Wassers erspart, sondern die Tagereisen können verringert, die Kräfte der Kameele also geschont werden, und diese finden überdies in der Umgebung der Wasserplätze den zu ihrer Ernährung nöthigen Krautwuchs. Sogar Pferde können auf diesem Wege leicht mitgeführt werden, während die Versorgung derselben mit Futter und Wasser aus den übrigen Wüstenstraßen erhebliche Kosten verursacht. Da, wie Murzuk, so auch Kawar vortreffliche Gelegenheit bietet, Menschen und Thieren Ruhe und gute Pflege angedeihen zu lassen, so treffen die Reisenden und ihre Kameele gewöhnlich weniger erschöpft am Ziele ein, als nach Beendigung anderer Wüstenreisen der Fall zu sein Pflegt.
Im südlichen Theile von Kawar befinden sich die unerschöpflichen Salzquellen von Bilma, aus denen die Karawanen noch mehr oder weniger große Vorräthe dieses in dem salzarmen Bornu hochgeschätzten Handelsartikels einnehmen. Diese Salzgruben bilden den Reichthum der Oase, welche in Folge dessen unter dem maßgebenden Einfluß der südöstlichen Tuarik steht, denn diese versorgen von dort das ganze wohlbevölkerte Hauffareich. Da sich dieser Salzhandel auf Hunderttausende von Centnern jährlich beläuft, so ist Kawar ein vielbegehrtes Ländchen, über das sich die Tuarik eine eifersüchtig bewachte Oberhoheit anmaßen und das auch häufigen Uebersällen der räuberischen Aulad Soliman unterliegt. Im Uebrigen erfreut sich diese Straße, welche die ganze Sahara in eine westliche und eine östliche Hälfte theilt und gerade zwischen den Gebieten der Tuarik und der Tubu verläuft, einer' verhältnißmäßig großen Sicherheit.
Bornu selbst, das Reiseziel, ist ein fruchtbares, an Hülfsquellen aller Art reiches Land mit einer für innerafrikanische Verhältnisse dichten und wohlwollenden, ruhigen, betriebsamen Bevölkerung, welche mannigfache Bedürfnisse hat und diese auf dem Wege des Handels und der eigenen Industrie zu befriedigen bestrebt ist. Die Bornuleute lieben den Luxus und begnügen sich um so weniger mit der im Handel Wadais vorwiegenden geringwerthigen Baumwoll- waare, als sie selbst viel schönere und dauerhaftere Baumwollengewebe zu Kleidern herzustellen wissen. Von europäischen Sachen verlangen sie also Haupt-