Heft 
(1891) 66
Seite
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Die Verkehrs- und Handelsverhältnisse Nordafrikas.

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sächlich feine gebleichte Baumwollenwaaren, die sie vortrefflich mit Indigo zu färben verstehen, Tuch (auch in fertigen Burnussen), Seide und Halbseide. Sammet, rothe Mützen (Tarbusch), bunte Kattune, Turbanshawls, gold- und silbergestickte Sattelüberzüge und Schmuckgegenstände, besonders Korallen. Auch an Kurzwaaren, Nürnberger Artikeln, Papier u. s. w. werden größere Mengen verbraucht als in den Nachbarländern, und die Märkte des Landes sind mit Glasperlen, Messingarbeiten, Handspiegeln, Messern, Scheeren, Nadeln u. s. w. wahrhaft überschwemmt.

Die Umsetzung des Kapitals wird dem fremden Kaufmann sehr erleichtert durch die geordneten Marktverhältnisse, die zahlreichen Handelsplätze und die in letzter Zeit gepflegte Straußenzucht. Der Markt von Kuka ist mit allen Landes­erzeugnissen Wohl versehen, und da der österreichische Thaler und die Kauri- Schnecke der Thaler hat ungefähr 5000 Kauris als hauptsächliche Werth­messer allgemein anerkannt sind, so ist der Verkauf und Kauf bequem und wenig zeitraubend. Kann der Kaufmann sein Verlangen nach dem Absatz seiner Waaren und nach dem Einkauf neuer nicht alsbald in Kuka befriedigen, so reist er in Provinzialhauptstädte. Hier setzt er seine Waaren meist zu höheren Preisen ab und kauft jedenfalls wohlfeiler ein, wenn die gewünschten Waaren überhaupt vorhanden sind. Seitdem die Bornuleute sich überdies der Straußenzucht widmen, hängt der Vorrath an Federn nicht mehr von der Erlegung der Thiere ab, und man braucht nicht mehr Monate zu opfern, um eine winzige Menge dieses Artikels einzukaufen. Die außer Straußfedern und Elfenbein für den Export aus Bornu in Betracht kommenden Waaren (Tamarinden, Häute und Felle, Wachs u. dgl.) können, wegen ihres geringen Werthes im Verhältniß zu den großen Transport­kosten, nur ganz nebensächlich gehandelt werden. In neuerer Zeit werden auch lebende Strauße ausgesührt, welche nach Algerien bestimmt sind, wo nicht ohne Erfolg ebenfalls Straußenzucht getrieben wird. Auch für diesen Export eignet sich unter allen Karawanenstraßen der Wüste fast allein die vom Tsadsee nach Tripolis führende wegen ihrer häufigen Wasserstationen und Futterplätze.

Leider sind die Bornuleute, obgleich fleißig und von gutem Charakter, doch sehr zum Leichtsinn geneigt, unzuverlässig, verschwenderisch und putzfüchtig, so daß der fremde Kaufmann seine Waaren zwar schnell und zu verlockenden Preisen absetzt, aber eine unendliche Mühe hat, seine Bezahlung zu erhalten. So war es wenigstens während der langen und schwachen Regierung des verstorbenen Bornuherrschers, Scheich Omar, und zwar in einem so hohen Grade, daß der Verkehr fremder Kausleute in Folge dessen alljährlich im Lande abnahm. Unter der Regierung seines Sohnes und Nachfolgers sollen sich die Verhältnisse jedoch erheblich gebessert haben. Während der nordische Kaufmann früher darauf rechnen mußte, mehrere Jahre im Lande zu bleiben, um seine Zwecke zu erreichen, gehört es in neuerer Zeit nicht zu den Seltenheiten, in einem Jahre die Hin- und Rückreise und den Umsatz des Kapitals bewerkstelligen zu können.

Während der Zeit des commerciellen Rückganges in Bornu wendeten sich die tripolitanischen und fezzanischen Kaufleute mit Vorliebe den Haussaländern zu, in denen eine friedliche, fleißige, in Handel und Industrie unermüdliche und zuverlässige Bevölkerung den Verkehr ungewöhnlich sicher und ergiebig macht.