Heft 
(1891) 66
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Deutsche Rundschau.

Die Ausfuhr hat hauptsächlich aus der letzteren statt und beträgt beiläufig circa fünfzehn Millionen Francs jährlich.

Tunesien steht in lebhafter Schiffsverbindung. Frankreich unterhält von Marseille aus mittelst der Compagnie Transatlantique eine regelmäßige Dampfer- Verbindung mit La Goulette, welche einmal in der Woche direct, einmal über Corsica, Bone, La Calle und Bizerta und einmal über Genua, Neapel und Livorno stattfindet. Italien hat zweimal in der Woche mittelst der Gesellschaft Rubattino eine Dampferverbindung mit La Goulette und zwar einmal von Genua über Livorno und Cagliari und einmal von Palermo über Marsala und Trapani. Schiffe beider Länder verbinden ferner einmal in der Woche La Goulette mit den Ortschaften der Ostküste und Tripolis, und einmal in der Woche mit Susa. Zwischen Malta und La Goulette laufen ebenfalls Schiffe der genannten französischen und italienischen Gesellschaften und ein nach Malta gehöriger eng­lischer Dampfer, die eine wöchentliche Verbindung Herstellen. Ein Uebelstand für die Schiffahrt liegt in der Unzulänglichkeit der Häfen und Rheden, welche großentheils besonders an der Ostküste geringe Sicherheit bieten und den Schiffen nicht gestatten, sich der Küste zu nähern. Die Ausführung des fran­zösischen Projectes, in Tunis selbst, mittelst Canalisirung des die Stadt von der Hafenstadt La Goulette trennenden und mit dem Golf von Carthago durch einen kurzen Canal verbundenen Sees einen Hafen herzustellen, würde diesem Uebel- stande für den wichtigsten Platz des Schiffsverkehrs abhelfen.

Seit dem Jahre 1860 ist der Telegraph in der Regentschaft eingeführt. Zu jener Zeit wurde eine telegraphische Verbindung zwischen Tunis und Goletta einerseits und dem Bardo, der gewöhnlichen Residenz, andererseits hergestellt, in einer Länge von vierundzwanzig Kilometer; jetzt beträgt die Gesammtlänge der tunesischen Telegraphenlinien mehr als dreitausend Kilometer. Eine Linie führt von Tunis längs der ganzen Ostküste bis an die tripolitanische Grenze, eine andere an die Westküste des Landes, wo sie in das algerische Telegraphennetz ein­mündet und durch dieses mit Europa in Verbindung steht. Die gesammte Telegraphie ist in französischen Händen.

Eisenbahnen bestehen noch nicht lange in Tunesien. Es entstand zuerst im Beginne der siebziger Jahre eine Schienenverbinduug zwischen La Goulette und Tunis mit Abzweigungen nach Marsa und dem Bardo, welche anfänglich einer englischen Gesellschaft gehörte und später aus politischen Gründen von der Gesell­schaft Rubattino erworben wurde. Dieselbe erfreut sich eines sehr lebhaften Verkehrs, und wenn sie nicht bessere Zinsen trägt, so liegt dies in ihrem über­aus hohen Ankaufspreise; diese Bahn umfaßt im Ganzen zweiundvierzig Kilo­meter. Sodann erwarb im Jahre 1876 die französische Gesellschaft der Batignolles die Concession eines Eisenbahnbaues von Tunis nach Westen bis zur algerischen Grenze und darüber hinaus bis Sukarhas, wo das Eisenbahnnetz der algerischen Provinz Constantine erreicht wird. Dieser Schienenweg, der im Jahre 1877 begonnen wurde, hat eine Längsentwicklung von rund zweihundert Kilometern. Zu dieser Bahn gehört auch diejenige, die sich von Tunis in der Länge von achtzehn Kilometer nach dem nahen Badeorte Hamman el-Enf erstreckt und die Bestimmung hat, nach Osten bis zur Küste verlängert zu werden und dann