Die Verkehrs- und Handelsverhältnisie Nordafrikas. 269
längs dieser die dortigen Ortschaften untereinander zu verbinden. Endlich verlauft eine Pserdeeisenbahn, die jedoch ausschließlich militärischen Zwecken dient, von Susa nach Kairuan.
Die Dampfschisfahrt längs der Ostküste und die den ganzen Norden quer durchschneidende Eisenbahn haben den Verkehr im Innern des Landes erheblich umgestaltet und werden es ohne Zweifel noch im höheren Grade thun. Schon benützen die der Ostküste nahegelegenen Ortschaften zum Vertrieb ihrer Maaren nach Tunis die Dampfschiffe, und die Produkte des Ackerbaus im Norden und Nordwesten kommen bereits größtentheils mit der Eisenbahn in die Hauptstadt, während früher ausschließlich Karawanenverkehr stattfand. Letzterer vermittelt noch die Verbindung der Hauptstadt mit den im Centrum und im Südwesten der Regentschaft gelegenen Ortschaften, und wird noch mehr zusammenschrumpfen, sobald der Schienenweg längs der Ostküste, sowie ein in Aussicht genommener zwischen einem Hafenorte der kleinen Syrte und Gassa, dem Stapelplatze für die Erzeugnisse des Blaed ed-Dscherid, erbaut sein werden. Die von der Hauptstadt an die algerische Grenze führende Eisenbahn wird ihren vollen commer- ciellen und politischen Nutzen erst entfalten können, wenn sie den Anschluß an das algerische Schienennetz in Sukarhas erreicht haben wird, was binnen Kurzem zu erwarten ist.
Im äußersten Süden der Regentschaft hatte man sranzösischerseits ein Project zur Ausführung bringen wollen, das die gesammten wirthschaftlichen Verhältnisse des Blaed ed-Dscherid verändern würde. Es wurde vorgeschlagen, an der Stelle einer unter dem Meeresspiegel liegenden Gegend (Depression), welche von ausgedehnten Salzsümpfen, sogenannten Schotts, eingenommen wird, im Süden von Ostalgerien und Westtunesien durch Hineinleitung des Mittelmeerwassers aus der kleinen Syrte ein Binnenmeer zu erzeugen. Dieser durch sandige Bodensalten von einander getrennten Schotts sind drei: der Schott el-Melrhir, dessen Westende gerade fünfzig Kilometer von Biskra in Algerien liegt, der Schott Rharsa östlich vom vorigen und der Schott ed-Dscherid, der durch den zwanzig Kilometer breiten Isthmus von Gabes vom Mittelmeer getrennt ist. Als man in Frankreich mit großem Enthusiasmus die Landesregierung drängte, das Project zur Ausführung zu bringen, zweifelte man nicht daran, daß der Schott ed-Dscherid, der noch nicht genauer untersucht worden war, sich an der für die Schotts Melrhir und Rharsa festgestellten Depression betheilige, und glaubte annehmen zu dürfen, daß der Isthmus von Gabes eine einfache Meeresanschwemmung sei. Seit später festgestellt worden ist, daß der Schott ed-Dscherid nicht unter dem Meeresniveau liegt, und seit berechtigte Zweifel an der sandigen Beschaffenheit des Isthmus von Gabes laut geworden sind, hat man sich Weniger sanguinisch verhalten, und eine mit der Prüfung des Projects betraute Commission von Gelehrten und Technikern hat sich dahin ausgesprochen, daß die Verwirklichung des Planes im Verhältniß zu den daraus zu erhoffenden Vortheilen viel zu kostspielig sein werde. Ganz abgesehen von den diesem Gutachten zu Grunde gelegten Erwägungen, sind aber auch bezüglich des technischen Erfolges einer Durchstechung des Isthmus von Gabes und der segensreichen Wirkungen eines Binnenmeeres an Stelle der Salzsümpfe mannigfache Zweifel und Bedenken gerechtfertigt, deren Aufzählung und Begründung hier zu weit führen würde.