Die Verkehrs- und Handelsverhältnisse Nordasrikas.
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Getränke, Colonialwaaren, Möbel, Modeartikel u. a. rn. liefert. England führt Steinkohlen und Eifenwaaren ein, Skandinavien und Oesterreich-Ungarn Bauholz und Deutschland Nürnberger Maaren, Papier, Solinger und Iserlohner Artikel, Tuche, wollene und halbwollene Maaren aus Sachsen und Elberfeld- Barmen. Der Gesammtimport beziffert sich auf mehr als zweihundert Millionen Francs jährlich. Die Münz-, Zahlungs-, Bank- und andere Verhältnisse verhalten sich Wie in Frankreich.
Der Verkehr des Küstenstriches mit dem Innern des Landes wird zum Theil noch nach althergebrachter Weise durch die Beduinen der mittleren Zone, welche sowohl in das Tell als in die Sahara hineinreichen, vermittelt. Diese setzen im Tell den Ueberschuß ihrer Heerden, die Produkte derselben und die Datteln der Oasen ab, indem sie dafür Getreide, Manufacturgegenstände, Metallwaaren, Nürnberger Artikel rc. zum eigenen Bedarf und zur Versorgung der Oasenbewohner eintauschen. Doch der Karawanenverkehr nimmt mit der Zunahme vervollkommnter Verkehrsmittel und Wege allmälig ab. Diese bestehen bei dem Mangel an schiffbaren Flüssen in Eisenbahnen und Kunststraßen, für deren Beschaffung Frankreich große Opfer gebracht hat. Seit etwa zwanzig Jahren sind ungefähr fünfzehnhundert Kilometer Schienenwege gebaut worden, die oft große Terrainschwierigkeiten zu besiegen hatten. Zunächst wird eine Linie längs der Küste die Westgrenze der Kolonie mit ihrer Ostgrenze, und darüber hinaus den atlantischen Ocean mit der kleinen Syrte verbinden, und von dieser Küstenbahn werden sich dann mehrere mächtige Zweiglinien bis an die Südgrenze der Colonie erstrecken. Die hauptsächlichsten, jetzt im Betrieb befindlichen Bahnen sind: Algier-Oran; Philippeville-Constantine-Batna; Bone-Guelma-Sukarhas; Constantine-Setif, und nur fünfundsechzig Kilometer fehlen noch, um die von Tunis an die algerische Grenze führende Bahn bei Sukarhas in das algerische Bahnnetz einmünden zu lassen. Dazwischen sind so viele chaussirte Straßen gebaut worden — im Ganzen über siebentausend Kilometer —, daß fast überall hin regelmäßige Fahrposten gehen. Außerdem ist das ganze Land mit einem sich über mehr als sechstausend Kilometer ausdehnenden Telegraphennetz überspannt.
Mit Europa und den Nachbarländern Marokko und Tunis ist Algerien durch regelmäßige Dampferlinien verbunden. Von Marseille gehen wöchentlich Dampfer nach Algier, Oran, Bone, die zum Theil auch ihre Fahrten bis zu den Häfen der Nachbarländer fortsetzen. Dreimal wöchentlich versehen Dampfer den Küstendienst. Algier ist überdies mit Marseille dürch eine submarine Telegraphenleitung verbunden.
In früherer Zeit stand Algerien in regelmäßiger Karawanenverbindung mit dem Sudan. Daß dies nicht mehr der Fall ist, haben die französischen Machthaber selbst verschuldet, als sie kurz nach der Besetzung des Landes jede Waaren- einsuhr aus dem Innern Afrikas verboten. Seit etwa zwanzig Jahren hat man sich dann vergeblich bemüht,, den saharischen Handel wieder nach Algerien zu lenken, indem man gänzliche Zollfreiheit gewährte und das Interesse der Ghada- mesischen Kaufleute, in deren Händen der Handel mit Timbuktu und den Haussa- ländern zum großen Theil ruhte, zu erregen suchte. Doch diese Bestrebungen