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Deutsche Rundschau.
Einige Jndustrieen haben eine bemerkenswerthe Ausbildung erfahren; so die Gerberei und Lederwaarenfabrikation, die Weberei von Teppichen und sonstigen Wollwaaren, die Arbeiten aus Kupfer und anderen Metallen, die Herstellung von Töpferwaaren, Korbflechtereien u. s. w.
Von den genannten Naturproducten und Jndustrieerzeugnissen gelangen zur Ausfuhr: zuweilen Getreide und Hülsenfrüchte, stets Datteln, Halfagras, Olivenöl, Mandeln, Wenn auch in geringer Menge; sodann Häute und Felle, Wolle, Wachs, Wollenfabrikate, Lederarbeiten und Leder, hier und da Metallarbeiten. Die Ausfuhr geschieht zum größten Theile nach Europa — die der Rohproducte ausschließlich —, wohin auch die sudanischen Producte: Goldstaub, Elfenbein, Straußfedern und Gummi ihren Abfluß finden. Die Jndustrieerzeugnisse finden aber auch vielfach Absatz in Algerien und Tunis. Es hat diesem Handel beträchtlichen Eintrag gethan, daß die Pilgerkarawanen, welche früher stets auf dem Landwege durch das ganze Nordafrika nach Mekka zogen und gleichzeitig bedeutende Handelskarawanen darstellten, allmälig mehr und mehr aufgehört haben, da die Pilger in neuerer Zeit die leichtere, schnellere und wohlfeilere Dampsschiffahrt vorziehen.
Eingeführt werden hingegen aus Europa: Seidenstoffe, Baumwollenwaaren, Thee, Gewürze, Zucker, Waffen, Metallwaaren u. s. w. Im Ganzen dürfte sich der Export nach Europa auf etwa fünfundzwanzig Millionen Francs und der Import von dort auf etwa dreißig Millionen Francs jährlich beziffern. Drei Viertel des marokkanischen Handels sind in englischen Händen; dann folgt Frankreich; die übrigen Staaten sind nur in geringem Grade betheiligt, doch hat Deutschland in neuester Zeit angesangen, mehr Maaren dorthin zu liefern, als früher geschehen. Die Verbindung mit Europa geht stets über Gibraltar und wird durch drei Dampferlinien vermittelt, von denen zwei französische (kagusl ains L üls und ValM-tzv wäre L M) und eine englische (Liverpool Nens. 6omx.) sind. Die Dampfer der ersten und dritten dieser Gesellschaften laufen von Gibraltar aus Tanger und die wichtigeren atlantischen Küstenplätze bis Mogador an, während die der zweiten von Oran aus Malaga und Gibraltar berühren und in Tanger endigen. Alle machen die Reise beiläufig zweimal im Monat und nehmen sich auch der Postverbindung an, welche mit Regelmäßigkeit sonst nur von Spanien aus nach Tanger, Ceuta und den übrigen spanischen Küstenortschaften (Presidios), und zwar fast täglich, unterhalten wird.
Für den Handel wichtige Küstenortschaften sind außer Tanger das am Mittelmeer gelegene Tetuan und die am atlantischen Ocean liegenden Städte Rabat und Saleh, ferner Casablanca, Mazagran, Safi, Mogador und Agadir. Der wichtigste atlantische Küstenplatz ist Mogador; der Endpunkt der sudanischen Karawanenwege Agadir liegt im südwestlichen Theile des Reiches an der Mündung des Sus und hat die beste Rhede; im Uebrigen ist die Schiffahrt an der Südwestküste wegen der zahlreichen Klippen sehr gefährlich. Im Inneren des Landes sind die für den Handel wichtigsten Plätze: Marakesch (Stapelplatz für den Karawanenhandel), Faes (wichtigste Industriestadt), Meknes (gewöhnliche Residenz) und jenseits der eigentlichen Südgrenze Tarudant (Sammelplatz der Sudankarawanen). Im Südosten gehört ferner die große Oase Tafilet, ein