Heft 
(1891) 66
Seite
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Die Verkehrs- und Handelsverhältniffe Nordafrikas. 275

Wichtiger Ausgangspunkt des Verkehrs mit den Tuarikländern, zu Marokko, während die noch umfangreichere Oasengruppe Tuat mit dem berühmten Knoten­punkte des Karawanenverkehrs in der westlichen Sahara, Am Salah, nur in einem lockeren Abhängigkeitsverhältniß steht.

Das Innere des Landes ist bei dem Fehlen anderer Verkehrsmittel ganz auf den Karawanenverkehr angewiesen, der sich bis in den Sudan erstreckt. Die Hauptstraße für diesen führt durch die große Wüste nach Timbuktu. Die Kara­wanen sammeln sich in Marakesch und Mogador und nach Ueberschreitung des Atlas in Tarudant ziehen sie von hier aus über den Wadi Draa nach Tenduf, berühren weiterhin den großen Salzmarkt Taodeni und erreichen nach etwa zwei Monaten über Arauan den großen sudanischen Stapelplatz Timbuktu mit seiner Hafenstadt Kabra am Niger. Die Straße hat nur seltene und spärliche Wasser­plätze und zeichnet sich nicht eben durch große Sicherheit aus. Von Tarudant in der Landschaft Sus zweigt sich ein Karawanenweg nach Südwesten (Adrar rc.) ab; eine andere Straße führt von Faes nach Tlemeen in Algerien und eine dritte nach Tafilet, von wo aus sowohl Verbindungen mit Westalgerien, als mit Tuat, Tidikelt und dem Lande der Tuarik Hoggar bestehen. Nordöstlich von Tafilet liegt die Oase Figig nahe der algerischen Grenze, wo die Nomaden einen leb­haften Austausch von Butter, Wolle, Schafen und Ziegen gegen Waffen, Kleidungs­stücke u. s. w. betreiben. Nach dem berühmten Timbuktu, dessen Bedeutung übrigens im Laufe der Zeit erheblich zurückgegangen zu sein scheint, begeben sich jährlich etwa fünf bis sechs Karawanen, einige hundert Kameele stark. Sie führen dorthin außer dem Salz, das in großer Menge nördlich von den Niger- und Senegal-Ländern in der Sahara gesunden wird, die wiederholt genannten euro­päischen Jndustrieerzeugnisse und tauschen dafür Straußfedern, Gummi, Sclaven und in geringerer Menge Elfenbein und Gold ein. Die Münzeinheit daselbst ist das Mitkal-Gold, das einen durchschnittlichen Werth von zehn Francs hat, und die Scheidemünze wird von Kauri-Muscheln gebildet, von denen vier- bis fünf­tausend auf einen Duro (Colonneten- oder Fünsfranken - Thaler) gehen. Die Straße, welche von Tarudant nach Adrar mit den Hauptorten Wadan und Schingiti, Taganet mit den Hauptortschaften Tischit und Walata führt, steht von letzteren einerseits in Verbindung mit Timbuktu, andererseits mit dem Senegal. In den genannten Landschaften bildet das Salz, das theils aus dem großen Salzsumpf Jdschil gewonnen, theils in Platten aus dem Boden geschnitten wird, den Hauptwerthmesser.

VII.

Ueberblicken wir nunmehr den ganzen Sahara-Verkehr, so sehen wir, daß auf allen seinen Karawanenwegen dieselben Producte von Süden her zur Mittel­meerküste geschafft werden. Im Ganzen und Großen sind es von jeher allein Goldstaub, Sclaven, Elfenbein und Straußfedern gewesen, welche die ansehnlichen Kosten des Wüstentransports ertragen konnten. Seit allmälig der Goldstaub von fast allen Karawanenwegen verschwunden und der Sclavenabsatz in den Küstenländern des Mittelmcers beinahe ganz ausgehört hat, fehlen wesentliche Factoren für den Sahara-Verkehr. Die beiden anderen Artikel, deren einer eben-

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