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Deutsche Rundschau.
falls noch große Transportkosten macht, sind überdies, da sie keine wirklichen Bedürfnisse der Kulturmenschen, sondern mehr oder weniger Lurusgegenstände sind, beträchtlichen und für den Kaufmann gefährlichen Preisschwankungen unterworfen. Ihre Menge endlich muß stetig abnehmen, da zu ihrer Gewinnung Elephanten und Strauße in unverantwortlicher Weise getödtet werden. Elephanten- zähne werden in nicht zu ferner Zeit aus dem nordafrikanischen Handel verschwunden sein, und wenn auch der Strauß bei seinem regeren Nachwuchs nicht in demselben Grade abnehmen wird, zumal man in einigen Sudanländern angefangen hat, sich die Zucht des Vogels angelegen sein zu lassen, so Wird doch der Handel mit Straußfedern durch die Wüste um so weniger lohnend werden, je mehr Aufschwung die Straußenzucht in näher oder günstiger gelegenen Ländern, wie Algerien und den Kapcolonien, erfährt. Es ist unter diesen Verhältnissen natürlich, immer wieder aufs Neue die Frage in Erwägung zu ziehen, ob nicht Mittel und Wege gesunden werden können, um auch denjenigen Sudan-Erzeugnissen, welche nicht werthvoll genug für den kostspieligen Wüstentransport sind, die Ausfuhr zu ermöglichen und den europäischen Markt zu erschließen. Bei dieser Erwägung richten sich unsere Gedanken unwillkürlich auf die Senegal- Gegend und den Nigerstrom, die offenbar durch Lage und Verlauf von der Natur am meisten zu Ausgangspunkten des westsudanischen Handels bestimmt erscheinen.
Die französische Colonie in Senegambien hat von jeher, wie weiter obenaus- gesührt worden ist, ein ziemlich kümmerliches Dasein gefristet. Erst in neuerer Zeit wurden von der französischen Regierung ernstliche Anstrengungen gemacht, ihr zu größerer Bedeutung für den Handelsverkehr mit Jnnerostafrika zu verhelfen. Es ist nicht ganz verständlich, daß das gleichzeitig mit den eifrigsten Bemühungen derselben Regierung geschah, eine Eisenbahnverbindung zwischen Algerien und der Nigergegend herzustellen, denn bezüglich der commerciellen Ausbeutung des westlichen Sudan sind Senegambien und die Atlasländer Concurrenten. Es ist im Vorhergehenden angedeutet worden, welche Verhältnisse eine Schienenverbindung zwischen Timbuktu und Algerien erschweren und Widerrathen; eine Leitung des Handels der oberen Nigerländer erscheint dagegen viel natürlicher und leichter ausführbar. Eine Karawane von Timbuktu nach Algier gebraucht zwei bis drei Monate; Kameele, deren jedes nur wenige Centner trägt, sind kostspielige Transportmittel, und die Wege sind unsicher. Von St. Louis am Senegal hingegen bringt ein Schiff die Maaren ganz sicher und mit viel geringeren Kosten in weniger als der Hälfte jener Zeit nach einem französischen Hafen. Aus der Strecke zwischen St. Louis und dem Niger gestaltet die theilweise Schiffbarkeit des Senegal (bis Medina) den wohlfeilen Wassertransport, und der übrige Theil des Weges muß ohnehin dem Senegal-Handel erschlossen und gesichert werden. Wenn die französische Colonie nicht stets im Zustande des Siechthums verbleiben soll. Senegambien, das wegen seines mörderischen Klimas eine wirkliche Coloni- sirung durch Europäer unthunlich erscheinen läßt, ist ganz aus den Handel angewiesen, und dieser bedarf der gesickerten Verbindung mit dem Hinterlande. So sind denn die Bemühungen der französischen Regierung seit längerer Zeit darauf gerichtet, die Schiffahrt aus dem Senegal zu sichern und weitere Handelswege gegen den Niger hin zu eröffnen. Als man den Bau der transsaharischen Eisen-