Die Verkehrs- und Handeksverhäktnisse Nordafrikas.
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bahn empfahl, trat man auch dem Plane näher, den Senegal mit dem oberen Niger durch einen Schienenweg zwischen St. Louis und Dakar zu verbinden, und man begann gleichzeitig Vorstudien zu einer Eisenbahnverbindung zwischen Medina, d. h. dem Punkte, wo der Senegal aufhört, auch mit künstlicher Nachhülfe als Wasserstraße dienen zu können, und Sego am Niger. Bereits 1879 war die Grenze der französischen Kolonie durch Anlegung des Forts Bafulabe um hundert Kilometer gegen den Niger vorgerückt worden. In neuerer Zeit wurde das Fort Kita angelegt, das sich dem Niger um weitere zweihundertundfünfzig Kilometer nähert, und von dort blieben nur noch etwa zweihundertundfünfzig Kilometer bis zum letzteren. Mehrere militärische Expeditionen wurden ausgeschickt, um die nöthigen Terrainstudien zu machen und ein freundschaftliches Einvernehmen mit dem Herrn von Sego herzustellen. Diese Expeditionen haben zwar zum Theil durch die Feindseligkeit der Eingeborenen schwer zu leiden gehabt, doch sind gleichwohl nicht ganz ungünstige Aussichten seitens des Herrschers von Sego erwirkt worden, so daß man sich der Hoffnung hingibt, in nicht allzu langer Zeit das vorgesteckte Ziel zu erreichen. Wenn das auch schwerlich ohne Vergewaltigung der zwischen Senegal und Niger wohnenden Stämme geschehen wird, so ist der Plan doch ohne Zweifel natürlicher, leichter ausführbar und nutzbringender als derjenige einer transsaharischen Eisenbahn. Ohne eine ausgedehntere Handelsverbindung nach dem Niger zu, kann Senegambien, wie gesagt, nicht gedeihen. Das Land erfreut sich zwar einer großen Fruchtbarkeit, und neben seinen üppigen Waldbeständen von Akazien, Affenbrodbäumen, Tamarinden, Ebenholzbäumen gedeihen die Baumwollenstaude, der Kaffeebaum, der Guronnß- strauch (Ztereulia aeuminata), Indigo, Zuckerrohr, Butterbaum, Erdnüsse (^raeüis) u. a. m.; doch der Ackerbau liegt sehr darnieder, da er wegen des Klimas nicht von Europäern betrieben werden kann und die Eingeborenen zu träge und nachlässig zur Bearbeitung des Bodens sind. Etwas günstiger steht es mit der Viehzucht, welche brauchbare Esel, Schafe und Ziegen, Rinder und Kameele liefert, und mit mineralischen Producten, die hauptsächlich in Eisen und Gold bestehen. Das letztere wird aus dem goldhaltigen Erdreich gewaschen, das von der eigentlichen Lagerstätte desselben, dem Konggebirge aus, weite Gegenden zwischen dem atlantischen Ocean und dem Niger bedeckt.
Die Colonie zerfällt in das Arrondissement von St. Louis und dasjenige von Gorse und hat ungefähr eine Viertelmillion Einwohner. Der Hauptort für den Handel ist die aus einer Insel im Senegal gelegene Hauptstadt St. Louis; doch da das Einlaufen der Schiffe durch eine gefährliche Sandbarre des Flusses sehr erschwert ist, haben die Franzosen die zwischen den Mündungen des Senegal und des Gambia gelegene Insel Goröe befestigt und das ihr gegenüber an einer vom Cap Verde gebildeten Bucht geschützt gelegene Dakar zur Haupthandelsstation der Colonie ausersehen, daselbst einen Hafen gebaut und eine Kohlenstation errichtet. — Mit Europa ist die Colonie durch französische und englische Dampfer verbunden, welche mindestens zweimal im Monat kommen und von denen jene in Dakar anlegen, um weiter nach Südamerika zu gehen, und diese die ganze Westküste Afrika's entlang fahren.
Auch das Gebiet zwischen Senegal- und Gambiamündung und am letzteren Flusse gehört politisch und commerccell den Franzosen, wenn auch England ein