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Deutsche Rundschau.
kleines Territorium an der Mündung des Gambia mit der Hauptstadt Bathurst und weiter stromaufwärts die Insel Mac Carthey mit Georgetown besitzt. Die Natur- und Handelsproducte sind hier die gleichen, wie am Senegal, und der ganze Handel beträgt, sich gleichmäßig auf Einfuhr und Ausfuhr vertheilend, etwa eine halbe Million Francs im Jahr.
Das Küstengebiet zwischen Gambia und Cap Berga wird von den Portugiesen als ihr Besitzthum beansprucht, doch ihre Handelsstationen an den Flüssen Caramanzo, Geba und Rio Grande sind gänzlich in Verfall, und die Franzosen haben auch dort, namentlich am erstgenannten Flusse und am Rio Nunnez Terrain besetzt und Factoreien begründet. Auch weiter südlich, namentlich am Rio Pongo und Rio Mallecory, haben sie nach Verträgen mit eingeborenen Häuptlingen allerlei Rechte erworben. Diese Flußgebiete könnten einen nutzbringenden Verkehr mit dem ergiebigen Hinterlande Futa Dschiallon unterhalten, wenn die politischen Zustände der Küstenbewohner geordneter wären. Da aber das Klima dauernde Ansiedelungen der Europäer verbietet, ist es schwer, jenen ein Ende zu machen. In den Handel kommen von dieser Küstengegend Kaffee, Häute, Wachs, Hölzer rc.
Südlich von dieser Gegend liegt die Küste von Sierra Leone, welche sich bis zum Cap Monte erstreckt und in englischem Besitz ist. Das eigentliche Sierra Leone ist eine Halbinsel auf der Südseite der Mündung des Flusses Rokelle mit der Hauptstadt Freetown, und zum Gebiete der Colonie gehören außer einem Landstrich nördlich von der Mündung des genannten Flusses noch die Los'Inseln und die Insel Scherboro. Die Colonie ist ursprünglich eine philanthropische Ansiedelung befreiter Negersklaven, eignet sich wegen ihres Klimas nicht zur Niederlassung von Europäern, könnte aber doch unter Umständen ein Aussuhrgebiet für das Thal des oberen Niger werden. So sehen wir denn die Franzosen eifrig bestrebt, auch hier Terrain zu gewinnen. Ausgesührt werden von hier: Arachis und Sesam, Hölzer, Häute und Felle, Palmöl, Goldstaub, Ingwer, im Ganzen für etwa sieben Millionen Francs, während die aus Baumwollenzeugen, Tabak, Glasperlen, Branntwein, Waffen und Kurzwaaren bestehende Einfuhr sich auf nahezu ebensoviel beläuft. Zwei englische Dampfschisf- linien, welche ihre Schiffe die ganze Westküste von Afrika bestreichen lassen, vermitteln zweimal im Monat den regelmäßigen Verkehr mit Europa.
Von Sierra Leone bis zur Nigermündung erstreckt sich das Küstengebiet von Oberguinea, welches von dem eigentlichen Innern durch einen, wie es scheint, der Küste parallelen Gebirgszug, das Konggebirge, geschieden ist. Dasselbe zeichnet sich durch große Fruchtbarkeit, aber auch durch ein für Fremde unheilvolles Klima und durch eine für Handel und Verkehr äußerst ungünstige Küsten- configuration (Strombarren, heftige Brandung, schlechte Häfen und Rheden, Strandlagunen) aus. Es wird eingetheilt in: die Pfefferküste mit der Negerrepublik Liberia (Cap Monte bis Cap Palmas), Zahn- oder Elfenbeinküste (Cap Palmas bis Cap der drei Spitzen), Goldküste (Cap der drei Spitzen bis Rio Volta), Sklavenküste (Rio Volta bis Stadt Lagos) und Palmölküste mit dem Nigerdelta (Lagos bis Kameruns).
Liberia mit der Hauptstadt Monrovia, ein von nordamerikanischen Philanthropen gegründetes Asyl für sreigelassene Neger, mit etwa einer halben Million