Heft 
(1891) 67
Seite
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Deutsche Rundschau.

im Haar, von dem ein Schleier niederhing. Hinter dem Paare, das nun wie zu neuem Ehebunde den Segen der Kirche empfangen sollte, schritten Asta und Axel, dann Arne, der die ältere Gräfin Brockdorff und dann Schwarzkoppen, der die Dobschütz führte, viel Andere mit ihnen, und zuletzt alle Die, die gebeten hatten, der Feier im Festzuge beiwohnen zu dürfen und deren Theilnahme, weil es Fernerstehende waren, die Herzen der wieder zu Trauenden besonders beglückt hatte. Dienerschaften schloffen sich an, und als der Zug, der sich aus Holkebhe zu in Bewegung setzte, den zwischen den Tannen des Parkes hinlaufenden Kies­weg pasfirt hatte, trat man in ein Spalier ein, das die Holkebyer Bauerntöchter sammt den Mädchen aus den Nachbardörsern gebildet hatten. Alle hielten Körbe in Händen und streuten Blumen über den Weg, einige aber, die dem Ansturm ihrer Gefühle nicht wehren konnten, warfen die Körbe bei Seite und drängten sich an Christine heran, um ihr die Hand oder auch nur den Saum des Kleides zu küssen.Sie machen eine Heilige aus mir," sagte die Gräfin und suchte zu lächeln; aber Holk, dem sie die Worte zugestüstert hatte, sah Wohl, daß ihr dies Alles mehr Pein als Freude schuf, und daß sie, wie das in ihrer Natur lag, ängstlich schmerzliche Betrachtungen oder vielleicht selbst trübe Zukunftsgedanken an dies Uebermaß von Huldigung knüpfte. Das volle Leben um sie her indeß entriß sie dem wieder, und als sie jetzt deutlich hörte, daß der Glocken immer mehr wurden und daß es klang, als ob alle Kirchen im Angliter Lande das seltene Versöhnungssest mitseiern wollten, da siel, auf Augenblicke wenigstens, alles Trübe von ihr ab, und ihr Herz ging auf in dem Klange, der gen Him­mel stieg.

Und nun waren sie bis an die niedrige Kirchhofsmauer gekommen, an der entlang, wie damals, wo Asta und Elisabeth hier gesessen hatten, wieder hohe Nesseln standen und zerschnittene Stämme hoch ausgeschichtet lagen, und als die Vordersten daran vorüber waren, bog der Zug in das Portal ein und bewegte sich, zwischen Gräbern hin, auf die Kirche zu, die weit ausstand und einen freien Blick aus den erleuchteten Altar am Ende des Mittelganges gestattete.

Da stand Petersen.

Er war hinfällig gewesen all die Zeit über, und zu der Last seiner Jahre war schließlich auch noch die Last schwerer Krankheit gekommen. Als er aber vernommen hatte, daßSchwarzkoppen, wenn Petersen bis Johannistag nicht wieder genesen sei, die Traurede halten solle," da war er wieder gesund geworden und hatte denen, die zu Vorsicht und Schonung mahnen wollten, betheuert, daß er, und wenn's vom Sterbebett aus wäre, seine geliebte Christine wieder zum Glücke führen müsse. Das hatte alle Welt gerührt, ihm aber die Kraft seiner besten Jahre wiedergegeben, und da stand er nun so grad und aufrecht wie vor neunzehn Jahren, als er, auch an einem Johannistage, die Hände Beider in einander gelegt hatte.

Gesang hatte begonnen im selben Augenblicke, wo der Zug in den Mittel­gang eintrat, und als das Singen nun schwieg, nahm Petersen zu kurzer Rede das Wort, alles Persönliche vermeidend, am meisten aber jeden Hinweis auf den Ungerechten, über den mehr Freude sei im Himmel als über hundert Gerechte." Statt dessen ries er in einem schlichten, aber gerade dadurch alle Versammelten