Heft 
(1891) 67
Seite
325
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Unwiederbringlich.

Roman

von

Theodor Fontane.

(Schluß.)

Einunddreißig st es Capitel.

Nahezu anderthalb Jahre waren seitdem vergangen, Ende Mai war, und die Londoner Squares boten das hübsche Bild, das sie zur Pfingstzeit immer zu bieten pflegen. Das galt im Besonderen auch von Tavistock-Square; der eingegitterte sorglich bewässerte Rasen zeigte das frischeste Frühlingsgrün, die Fliederbüsche standen in Blüthenpracht, und die gelben Rispen des Goldregens hingen über das Gitter fort in die breite, dicht daran vorüberführende Straße hinein.

Es war ein reizendes Bild, und dieses Bildes freute sich auch Holk, der in einem alten, übrigens sehr Wohl erhaltenen und in seiner doppelten Front von einem Balkon umgebenen Eckhause die Zimmer des ersten Stocks inne hatte. Er liebte diese Gegend noch aus der nun zwanzig Jahre zurückliegenden Zeit her, wo er, als junger Attache der dänischen Gesandtschaft, in eben diesem Stadt- theile gewohnt hatte und nahm es, als er im Laufe des letzten Novembers in London eintraf, als ein gutes Zeichen, daß es ihm gelungen war, gerade hier eine ihm zusagende Wohnung zu finden.

Ja, seit November war Holk in London, nachdem er bis dahin in der Welt umher gefahren und an all den berühmten Schönheitsplätzen gewesen war, an denen jahraus jahrein viele Tausende Zerstreuung suchen, um schließlich die Wahr­nehmung zu machen, daß auch das ödeste Daheim immer noch besser ist als das wechfilvolle Draußen. Er hatte sich nach schriftlicher Verabschiedung von der Prinzessin und nach einem ausführlichen und herzlichen Briefe an Arne, den er anrief, ihn in diesen schweren Tagen nicht verlassen zu wollen, erst nach Brüssel und dann nach Paris begeben, aber so wenig zu seiner Zufriedenheit, daß er um Ostern bereits in Rom und einige Wochen später auch schon in Sorrent einge­troffen war, in demselben Sorrent, in dem er gehofft hatte, mit Ebba glückliche Tage verleben zu können. Diese glücklichen Tage waren nun freilich ausgeblieben;