Heft 
(1891) 67
Seite
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Deutsche Rundschau.

Goethe

tauf die Büste Aarl August's deutend).

Befrage ihn, sein Antlitz siehst Du ragen,

Den Theuern, Großen, der uns Lseimath schuf;

Tr liebte uns; die Gluth, die er getragen,

Tie ward den Tnkeln heiliger Berus.

Sieh' Weimars Haus, zu dem in alter Stunde Den Grundstein wir dem Boden anvertraut;

Ts wuchs empor zu einer Tempelrunde,

Die heut' das ganze Deutschland überbaut.

Ls geht ein tiefes Brausen durch die Halle,

Du hörst den Odem eines Volkes weh'n;

Zu ihnen sprich, befrage diese Alle,

Ob wir lebendig noch mit ihnen geh'n.

(Gr wendet sich zu dem Volke in der Palle.)

Ihr, hergeströmt aus Nähe und aus Lerne,

Zn Andacht hier zu lauschen und zu schau'n,

Gebt Antwort mir, damit von Tuch er lerne,

Zch frage Tuch, Zhr Männer und Zhr Lrau'n:

Spricht Goethe's Geist noch heut' zu Turem Geist?

Zst Schiller's Wort der Gottesherold noch,

Der Tuch erlöst vom schweren Tagesjoch Und Tuch den Weg zu ew'gen Dingen weist?

Sind wir im Leide noch, sind wir in Lust Vertraute Turer tief verschwieg'neu Brust?

Sind Deutschlands Dichter ihrem Volke nah,

Lebendig heut' noch den Lebend'gen?

Das Volk

(erhebt sich von seinen Plätzen und ruft mit donnerndem Iubelschrei,

Za!!!

(Das Volk stimmt den'Lhorgesang:Freude schöner Götterfunken" re. am verläßt singend seine Plätze, kommt herab­gestürmt. die Rinder schwingen die Aränze, sie kommen, immerfort singend, nach vorn, ziehen um die Gestalten Goethe's und Schiller's her, und legen die Aränze zu ihren Füßen nieder, während dies geschieht, kehren die Gestalten der beiden Dichter zur Ruhe der Statue zurück, und unter den Alängen des Gesanges fällt langsam der Vorhang.)