Heft 
(1891) 67
Seite
161
Einzelbild herunterladen

Unwiederbringlich.

Roman

von

Theodor Fontane.

Fünfundzwanzigstes Capitel.

Die schönen Tage, die, seinem Ruf zum Trotz, fast den ganzen November über angedauert hatten, schlossen mit dem Monatswechsel ab, und heftige Nord­weststürme setzten ein, nur dann und wann von Regenschauern unterbrochen, die freilich oft schon nach wenig Stunden wieder einem neuen Nordwester Platz machten. Dieser Wetterumschlag änderte natürlich auch das Leben im Schloß; alle Spaziergänge, die sich nicht selten bis Fredensborg und südlich bis Trolles- minde und selbst bis Hilleröd ausgedehnt hatten, hörten auf und an die Stelle der halb dienstlichen Vereinigungen in der großen Herluf Trolle-Halle, traten jetzt kleine Reunions, die sich zwischenhüben und drüben" oder, was dasselbe sagen wollte, zwischen den beiden Thürmen theilten und an einem Abend bei der einen, am andern bei der anderen der beiden Hofdamen stattfanden. Die Prinzessin hatte dies eigens so gewünscht und die Schimmelmann, so steif und ceremoniell sie sonst sein mochte, war als Wirthin von großer Liebenswürdigkeit, so daß ihreAbende" mit denen Ebba's wetteifern durften. Die Zusammen­setzung der Gesellschaft war immer dieselbe: voran der Hofhalt der Prinzessin, dazu das Schleppegrell'sche Paar und die beiden Adjutanten des Königs, von denen Lundbye sich auf den Hof- und Lebemann, Westergaard aus den Freisinnigen hin ausspielte, kleine gesellschaftliche Nüancen, die den Reiz des Verkehrs mit ihnen nur noch steigerten. Ja, man sah sich täglich, immer nur zwischen dem Links- und Rechtsthurm wechselnd, und wie die Zusammensetzung der Gesellschaft dieselbe war, so war es auch die Form der Unterhaltung, die sich auf Lustspiele lesen und Deklamation und, wenn es hochkam, auf ein Stellen von Bildern beschränkte. Dann und wann, schon um Pentz und der Schimmelmann willen, wurde auch eine Whistpartie beliebt, die dann, nach dem Abendbrot, in ein kleines sehr harmloses Hazard überging. Ebba gewann immer,weil sie, wie

Deutschs Rundschau. XVII, 8. 11