Heft 
(1891) 67
Seite
162
Einzelbild herunterladen

162

Deutsche Rundschau.

sie sagte, Unglück in der Liebe habe." Man war heiter bis zur Ausgelassenheit und während selbstverständlich über das ewige Sturm- und Regenwetter und mehr noch über die nicht endenwollende Krankheit der Prinzessin geklagt wurde, gestand man sich doch gleichzeitig, daß man diesem angeblichen Unglück all' das Glück verdanke, dessen man sich erfreute.

So ging es bis den zweiten Advent; da schlug das Wetter abermals um, und mit dem scharfen Nordost, der jetzt einsetzte, kam sofort auch bittre Kälte, die, gleich in der ersten Nacht, alle Tümpel und Regenlachen und schon den Tag daraus auch den kleinen Schloßsee mit Eis bedeckte. Dem Schloßsee folgte dann der breite, nach Ost und West hin mit dem Esrom- und Arreste Verbindung haltende Parkgraben, und als abermals eine Woche später die Nachricht kam, daß auch die großen Seen selbst, an ihren Ufern wenigstens, mit starkem Eise belegt seien, wurde nachdem vr. Bie beschworen hatte, daß ein Ausflug bei blankem Wetter genau das sei, was die vonSchloß-Malaria", so war sein Ausdruck, herrührenden Zustände der Prinzessin am ehesten beseitigen werde der nächste Tag schon für eine Schlitten- beziehungsweise Schlittschuhpartie nach dem Arresee hin festgesetzt.

Und nun war dieser Tag da, sonniger und frischer als alle voraufgegangenen, und kurz vor zwei traf man sich an der uns wohlbekannten Stelle, wo jetzt die Strickfähre eingefroren im Eise lag. Die, die sich daselbst zusammenfanden, waren zunächst die Prinzessin selbst mit Holk und Ebba, dann Schleppegrell und die beiden Adjutanten. Pentz fehlte, weil er zu alt, die Pastorin, weil sie zu korpulent war, während sich Erichsen und die Schimmelmann dem ziemlich scharfen Nordost, der ging, nicht aussetzen mochten. Aber auch diese vier hatten auf ein bestimmtes Maß von Theilnahme nicht verzichten Wollen, und waren in eine geschlossene Kutsche gestiegen, um, vorausfahrend, die wetterfestere Hälfte der Gesellschaft in einem kleinen, dicht an der Einmündung des Parkgrabens in den Arresee gelegenen Gasthause zu erwarten.

Neben der Fähre, die durch voraufgeschickte Dienerschaften in ein Empfangs­und Unterkunftszelt verwandelt worden war, stand ein eleganter Stuhlschlitten, und als die Prinzessin darin untergebracht und mit Hülfe von allerhand Pelz­werk vor Erkältung geschützt worden war, handelte sich's für die begleitenden Schlittschuhläufer nur noch um die Frage, wer die Führung übernehmen und zweitens, wer mit der Ehre, den Schlitten der Prinzessin über das Eis Hinzu­steuern, betraut werden sollte. Rasch entschied man sich, daß Schleppegrell, als Ortskundigster, den Zug zu führen, Holk aber den Schlitten der Prinzessin zu steuern habe, während, dicht aufschließend, das Fräulein an der Hand der beiden Offiziere folgen sollte. Nach dieser Anordnung wurde denn auch wirklich aus­gebrochen, und weil alle sehr geschickte Läufer, außerdem auch die Kostüme gut und kleidsam gewählt waren, so war es eine Freude, den Zug über die glatte Eisfläche hinschießen zu sehen. Am imponirendsten wirkte Schleppegrell, der heute mehr einem heidnischen Wotan als einem christlichen Apostel glich; sein Mantel­kragen bauschte sich über dem Krempenhut hoch im Winde, während er den Piekenstock, um die Schnelligkeit zu steigern, immer kraftvoller ins Eis stieß. Die Prinzessin war erfreut, und sprach es zu Holk auch aus, ihrenPfadfinder"