Briefe von Darwin.
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Dagegen sind viele tatsächliche Angaben in diesem Buche und die Versuche von Spa l ding Douglas an ganz jungen Schweinchen und Hühnchen mir bei Untersuchungen Über die erworbene und die erbliche Furchtsamkeit und den Jn- stinct von besonderer Wichtigkeit gewesen. Ich wiederholte die Versuche großenteils, verschaffte mir auch einen Thurmfalken, um zu sehen, wie die eben ausgeschlüpften Hühnchen sich bei seinem Anblick Verhalten und beschrieb die Hauptergebnisse der an vielen neugeborenen und ganz jungen Thieren verschiedener Arten angestellten Beobachtungen über ihre geistige Entwickelung, im Vergleiche zu der des Menschenkindes, in dem später (1881 in erster und 1890 in dritter vermehrter Auslage) erschienenen Buche über „Die Seele des Kindes", andere in der „Speciellen Physiologie des Embryo" (Leipzig 1885). Es wird in dem erstgenannten Werke zum ersten Male eingehend die Vererbungslehre Darwin's psychogenetisch verwerthet. Die Grundzüge habe ich in einem Vortrage über die Sinnesthätigkeit bei Neugeborenen in einer Sitzung der Anthropologischen Gesellschaft zu Jena am 14. Januar 1878 entwickelt, zum Theil auch iw der „Deutschen Rundschau" in dem Aufsatz „Psychogenesis" H. Die beiden Bücher, welche der in diesem Briefe erwähnte vr. G. I. Romanes, einer der hervorragendsten Darwinianer in England, über die geistige Entwicklung der Thiere (1883) und des Menschen (1888) schrieb, haben diese Richtung, besonders die vergleichende Psychologie, in etwas anderer Weise, weiter verfolgt.
Das folgende Schreiben ist kein Privatbrief, sondern an den Vorsitzenden der Jenaer medicinisch-naturwissenschaftlichen Gesellschaft gerichtet. Als solcher hatte ich 1878 den Antrag gestellt, Darwin anläßlich seines 70. Geburtstages zum Ehrenmitglied zu wählen. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Früher waren zu Ehrenmitgliedern gewählt worden: Schimper (1855) ( 7 ), Kiefer (1857) ( 7 ), Louis Soret (1864) ( 7 ), der Physiologe von Bezold (1866) ( 7 ); nachher wurden noch Huxley (1867), Gegenbaur (1873), Schleiden (1878) ( 7 ) und Oskar Schmidt (1878) (tz) Ehrenmitglieder. Von Biologen, aus deren Arbeiten Darwin Einfluß geübt hat, gehörten der Gesellschaft außer mir zu jener Zeit noch an: E. Haeckel, Wilhelm Müller, E. Strasburger, C. Frommann, K. Bardeleben, G. Schwalbe, Richard Hertwig, Oskar Hertwig, W. Detmer, so daß in Deutschland keine wissenschaftliche Körperschaft eine größere Anzahl von activen Darwinianern auszuweisen hatte. Von Jena aus verbreitete sich aus zoologischem, botanischem, anatomischem, embryologischem und physiologisch-psychologischem Gebiete der Darwinismus Jahr für Jahr mit wachsendem Erfolge überallhin. Das schlichte Dankeswort für die Anerkennung seitens der im Ganzen ans sechsunddreißig einheimischen Männern der Wissenschaft bestehenden Gesellschaft lautet:
9 1880, Bd. XXIII, S. 198 ff.