22
| Rousseau’s Jugend.
_.
—_
war, wie wir sehen werden, ein geradezu stürmischer Leser. Rousseau rühmt vor Allem sein zärtliches Herz und seinen rechtschaffenen Sinn. Dabei aber bestanden Heftigkeit und ein gewisser Leichtsinn. Vater Rousseau liebte die Gesellschaft und den Wein in beträchtlichem Grade und trotz überströmender Zärtlichkeit sorgte er wenigstens in den späteren Jahren durchaus nicht mit thatkräftiger Liebe für seinen Sohn. Vielleicht war der Alkoholismus des Vaters Rousseau von schlimmer Bedeutung für die Nachkommenschaft, obwohl er durchaus nicht ein„Trinker“ im gewöhnlichen Sinne des Wortes gewesen zu sein scheint.
Die Vereinigung der Eltern Rousseau’s war der Abschluss einer langen und trotz mancher Hindernisse beständigen Jugendliebe. Nachdem die Frau einen Sohn geboren hatte, ging wunderlicher Weise der junge Vater Rousseau als Serail-Uhrmacher nach Konstantinopel und blieb daselbst 7 Jahre, bis ihn die Frau zurückrief, weil sie sich durch Verehrer bedrängt fühlte. Er liess Alles im Stiche und kam zurück. Ich ward, sagt Rousseau, die traurige Frucht dieser Rückkunft. Zehn Monate nach ihr ward Rousseau(am 28. Juni 1712) geboren und die Mutter starb bei der Geburt. Mit Recht bezeichnet Rousseau diesen Tod als sein erstes Missgeschick: gerade für ihn, den Weichmüthigen und Leidenschaftlichen, war die Entbehrung mütterlicher Sorge besonders nachtheilig. Das Kind scheint asphyktisch gewesen zu sein.„Ich kam fast todt zur Welt: man hatte wenig Hoffnung, mich zu erhalten.“ In die Pflege des Kindes theilten sich eine Schwester des Vaters