Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911) J. J. Rousseau
Entstehung
Seite
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Rousseaus körperliche Beschaffenheit.

und die Amme. Von der Sorgfalt, Tüchtigkeit und Zärtlichkeit dieser Beiden spricht Rousseau mit der grössten Anerkennung. Abgesehen von der anfäng­lichen Schwächlichkeit scheint Rousseau ein gesundes Kind gewesen zu sein. Von Kinderkrankheiten wird gar nichts erwähnt. Jedoch brachte Rousseau einen Bil­dungsfehler der Blase mit zur Welt, der ihm fast während des ganzen Lebens schwere Leiden verur­sachte und auf den wir später zurückkommen müssen. Ob er als Degenerationzeichen zu betrachten sei, bleibe dahingestellt. Ausserdem war ein mässiger Grad von Hypospadie vorhanden, ein Zeichen von eigenthüm­licher Bedeutung. Andere grobe Degenerationzeichen (körperliche Missbildungen, die auf eine Kkrankhafte Anlage des Nervensystems erfahrungsgemäss schliessen lassen) scheinen nicht vorhanden gewesen zu sein. Viel­mehr war Rousseau nach seinen eigenen und der Zeit­genossen Angaben sowohl wie nach den erhaltenen Ab­bildungen im Allgemeinen wohlgebildet. Er besass be­sonders eine schöngewölbte Stirn, einen zierlichen Mund, kleine, etwas tiefliegende, feurige Augen, eine sehr angenehme Stimme, dunkles Haar und, wie mit Rücksicht auf die damalige Tracht hervorgehoben wird, ein gefälliges Bein. Er war schlank gewachsen und erreichte nur mittlere Höhe. Wiederholt jedoch be­merkt Rousseau, dass er kurzsichtig gewesen sei. Be­merkenswerth ist, dass er, nach seiner Angabe, schon im 16. Jahre den Mund voll schlechter Zähne hatte. Frühzeitiger Zerfall der Zähne ist bei nervösen Men­schen überaus häufig.