Rousseau’s Jugend.
Die ersten acht Lebensjahre brachte Rousseau im väterlichen Hause zu. Ausser ihm war noch ein um sieben Jahre älterer Bruder vorhanden. Rousseau sagt, dass sein Vater aus Liebe zu ihm den älteren Bruder vernachlässigt habe, und dass dieser in Folge davon liederlich geworden sei. Er sei dann davongelaufen und gänzlich verschollen. Ohne zu verkennen, dass auch in gesunden Familien missrathene Söhne vorkommen, wird Der, der weiss, wie oft Liederlichkeit und Landstreicherthum Ausdruck angeborenen Schwachsinnes sind, geneigt sein, den verkommenen älteren Rousseau für eine nach anderer Richtung hin als JeanJacques krankhafte Natur zu halten. Rousseau selbst war ein stilles, sanftes Kind. Als einzigen dummen Streich meldet er, dass er einmal in den Kochtopf einer Nachbarin gepisst habe. Das ist die zwar nicht gerade empfehlenswerthe, aber sicher harmlose Neckerei eines Kindes, die auf der Association Topf-Topf beruht. Ausdrücklich hebt Rousseau hervor, dass er nie ein Thier gequält habe. Der Knabe lebte sehr zurückgezogen, durfte nicht allein auf die Strasse gehen und kam mit Rauhem oder Rohem nicht in Berührung.„Ich weiss nicht, was ich bis in mein fünftes oder sechstes Jahr that. Ich weiss nicht, wie ich lesen lernte; ich erinnere mich nur dessen, was ich zuerst las, und welchen Eindruck es auf mich machte... Von meiner Mutter hatten wir Romane geerbt: die lasen wir nach dem Abendessen mit einander, mein Vater und ich. Es handelte sich anfangs nur darum, mich an unterhaltenden Büchern im Lesen zu üben, bald aber wurde unsere