Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911) J. J. Rousseau
Entstehung
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VE A

| Rousseaus Jugend.

Tages, als ich über Tische die Geschichte Scaevolas| erzählte, sah man mit Schrecken, wie ich, um seine That zu veranschaulichen, meine Hand ausstreckte und über eine Kohlenpfanne hielt. Ausser der Zeit, wann mich mein Vater lesen oder schreiben liess, oder meine Wärterin mich spazieren führte, war ich immer um meine Muhme, sass oder stand neben ihr und hörte ihr zu, wenn sie stickte oder sang. Mit Entzücken denkt der altgewordene Rousseau an die Liedchen dieser Tante, und ihr glaubt er seine Leidenschaft für ‚die Musik zu verdanken.

| Das Stillleben im Uhrmacherhause zu Genf hörte | 1720 auf. Vater Rousseau bekam Streit mit einem französischen Offizier, schlug sich mit ihm und verliess, da er verklagt wurde, die Stadt, um sich in dem nahe­gelegenen Nyon niederzulassen. Der Sohn, dem das Vaterhaus für immer verloren ging, blieb zunächst bei einem Onkel und wurde dann, zusammen mit dessen Sohne, auf das Land geschickt. Er kam zu einem Pastor Lambercier nach Bossey. Hier führte er zwei Jahre lang ein glückliches Landleben, genoss eine strenge, aber verständige Erziehung und erfreute sich an kind­lichen Spielen, die er in Genf über den Römern ver­gessen hatte.

Unter den Vorgängen aus dieser Zeit, über die Rousseau berichtet, ist für uns besonders einer von Bedeutung: das Erwachen des Geschlechtstriebes. Sein Verhalten bildet ungemein oft ein feines Reagens für die Beschaffenheit der Seele, insofern als man aus einem abnormen Verhalten des Geschlechtstriebes mit