Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911) J. J. Rousseau
Entstehung
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Rousseaus Jugend.

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man Kinder züchtigt, d. h. auf den Hintern schlug. Dass Schläge auf das Gesäss bei Knaben nicht selten Erection und Wollustgefühl bewirken, das ist eine bekannte Thatsache. Das Merkwürdige nun ist, dass bei Rousseau die Kinderstrafe ganz ungewöhnliche Nachwirkungen hatte. Seine Begierden, sagt er, ge­riethen derart in die Irre, dass sie befangen in dem, was er zuerst empfunden hatte, fortan nach nichts anderem trachteten.Lange Zeit gequält, ohne zu wissen, wo­durch, verschlang ich mit brennenden Augen die schönen Mädchen. Meine Einbildungskraft rief mir, unaufhörlich ihr Bild zurück, einzig, um sie auf meine Art und Weise in Handlung zu bringen und aus ihnen| lauter Fräulein Lambercier zu machen. Rousseau gesteht, dass er jedem Weibe gegenüber, mit dem er in engere Beziehungen getreten war, den Wunsch gehegt hat, sie möchte wie Fräulein Lambercier ver-| fahren, und dass nur die Scham ihn hinderte, den Liebesdienst zu erbitten. Wirklich erfahren hat er die Gunst, die ihm als Gipfel des Vergnügens erschien, nur noch einmal, und zwar von der Hand eines kleinen Mädchens, in das er als etwa zwölfjähriger Knabe lei­denschaftlich verliebt war, und das freiwillig die Rolle einer strengen Lehrerin übernahm. Dagegen brachten ihn seine eigenthümlichen Neigungen später einmal mit der Polizei in Berührung. Als er als junger Mann| in Turin war, wusste er seinen erregten Sinnen gar keinen Rath und verfiel darauf, an stillen Orten den vorübergehenden Frauenzimmern seine hintere Seite zu zeigen. Er gesellte sich also gewissermaassen zu