Geschlechtliche Abweichungen.
denen, die dem Gerichtsarzte als Exhibitionisten bekannt sind. Die Gutmüthigkeit des von der erzürnten Weiblichkeit angerufenen Polizeimannes verhinderte schlimmere Folgen. Rousseau selbst betont, dass an seiner seltsamen Geschmacksverirrung hauptsächlich die ihm zu Theil gewordene sehr keusche Erziehung und seine übergrosse Schüchternheit Schuld gewesen seien, die bewirkten, dass er bis zu seinen Jünglingsjahren keine deutliche Vorstellung vom Geschlechtsacte hatte und sich ihn als etwas Unerhörtes, ja Widerwärtiges vorstellte. Diese Bemerkungen enthalten gewiss Richtiges, aber die allgemeine Erfahrung und die Thatsachen des späteren Lebens Rousseau’s selbst beweisen, dass die Hauptsache seine von Haus aus abnorme Natur war. Die Neigung, sich der Geliebten zu unterwerfen und ihr Sklavendienste zu thun, ja sich von ihr misshandeln zu lassen und dies wollüstig zu empfinden, ist bekanntlichvon Krafft-Ebing als Masochismus geschildert worden. Die stark krankhafte Form besteht darin, dass die Misshandlung den natürlichen Geschlechtsverkehr ersetzt. Aehnliche Formen wie bei Rousseau sind nicht allzu selten und die Gelegenheitursache scheint auch oft dieselbe wie bei Rousseau zu sein. Einer meiner Patienten war als achtjähriges Kind von einem erwachsenen üppigen Mädchen a posteriori behandelt worden, und obwohl er ein pflichtgetreuer Ehemann war, wünschte er noch als vierzigjähriger Mann sehnlich und umsonst, wieder so etwas zu erleben. Wie bei anderen krankhaften Menschen trat auch bei Rousseau nach erlangter Reife nicht das