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Rousseau’s Jugend.
normale Verhalten ein. Die eigentlich gesunde Liebe, die Geist und Körper zugleich ist, blieb ihm fremd: Sein Verhältniss zu den Weibern war bald Schwärmerei, bald blosse Sinnlichkeit. Ob die erfolglose Neigung des fünfundvierzigjährigen Mannes zur Gräfin Houdetot eine Ausnahme bildet, das steht dahin. Kam es wirklich zum geschlechtlichen Umgange, dann war die Zufriedenheit im Allgemeinen nicht sehr gross, noch ungetrübt. Mit einer Art Erleichterung pflegte Rousseau dann aus der Wirklichkeit in die Welt der Träume zurückzukehren. Wie man sich denken kann, blieb Rousseaubei diesen Anlagen auch der Selbstbefriedigung nicht fremd. Er kam zu dieser Art, sich von unbequemen Erregungen zu befreien, etwa im siebzehnten Jahre und gab die Gewohnheit nie ganz wieder auf. Von einer (an sich unwahrscheinlichen) Neigung Rousseau’s zu Personen männlichen Geschlechts ist gar nichts bekannt. Als ihm(in Lyon) Anerbietungen in dieser Richtung gemacht wurden, wies er die Sache als fremd und widerlich zurück.
Ausser dem Abenteuer mit Fräulein Lambercier betont Rousseau noch eine heftige Gemüthsbewegung, die er in Bossey erlitt. Er sowohl wie sein Busenfreund und Vetter waren unschuldig grausam bestraft worden. Rousseau glaubt, dass durch diese Erfahrung sich das Aufwallen heftigsten Zornes beim Anblick einer jeden Ungerechtigkeit, wie er es Zeit seines Lebens empfunden habe, erkläre.
Die erwähnte üble Erfahrung verleidete den Knaben das Leben in Bossey. Auch auf der anderen