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Rousseau als Lehrling.
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Seite war die Zuneigung abgekühlt. Kurz, der Aufenthalt auf dem Lande fand ein Ende und die Vettern kehrten in die Stadt zurück. Der Onkel Bernard hatte weder Beruf noch Neigung zum Erzieher. Er überliess die Jungen so ziemlich sich selbst und diese verbrachten, etwas lernend und viel spielend, für einander in ziemlicher Abgeschlossenheit von der Welt lebend, einige Jahre. Endlich entschloss man sich, einen Beruf für den jungen Rousseau zu wählen, und brachte ihn in die Schreibstube eines Stadtschreibers. Hier gefiel es ihm gar nicht. Der phantasievolle Knabe konnte an dem langweiligen Abschreiben und einem Berufe, als dessen Endzweck er nur schnöden Gelderwerb betrachtete, keinen Geschmack finden. Dem Stadtschreiber wieder gefiel Rousseau nicht, er behandelte ihn schlecht und schickte ihn bald als untauglich nach Hause. Nun wurde der arme Knabe von den nicht gerade liebreichen Verwandten zu einem Graveur in die Lehre gegeben. Wenn Rousseau auch die neue Arbeit selbst nicht übel fand, so fühlte er sich doch in dem Hause seines Lehrherrn sehr unglücklich. Denn dieser war ein heftiger und roher Mann, der mit Scheltworten und Schlägen nicht sparte, und seine Härte liess das Schicksal eines Handwerkerlehrlings dem bis dahin an Freiheit und feinere Lebensformen Gewöhnten als doppelt hart erscheinen. Der verschüchterte und verbitterte Knabe wurde gegen das Höhere gleichgiltig, er fing an, zu lügen und zu naschen, und führte das Leben eines Thunichtgut. Bald empfand er die Nichtigkeit seines Treibens und verfiel, als er eine