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Rousseau’s Jugend.
kleine Leihbibliothek entdeckte, einer bei jungen Leuten nicht seltenen Lesewuth. Halb lebte er nun in der Wirklichkeit, den Stichel handhabend und Schläge empfangend, halb in der Welt der Romane als Ritter junger und schöner Prinzessinnen,
Nachdem die unerquickliche Lehrlingzeit zwei Jahre lang gedauert hatte, fand sie einen unerwarteten Abschluss. Schon zweimal war Rousseau, als er mit den Gespielen am Sonntagabend den Thorschluss versäumt hatte, hart bestraft worden. Als sich nun das Unglück zum dritten Male ereignete, brachte die Angst vor der angedrohten schlimmeren Strafe bei Rousseau den Entschluss, sich der Knechtschaft zu entziehen, rasch zur Reife, und der Sechzehnjährige wandte seiner Vaterstadt den Rücken, um rath- und mittellos in die Welt zu gehen. Nach einigen Tagen kam er zu einem katholischen Pfarrer. Dieser erblickte in dem Flüchtling eine Beute seiner Kirche und schickte ihn nach Annecy zu Frau von Warens. Am Palmsonntage des Jahres 1728 langte Rousseau daselbst an und lernte die merkwürdige Frau kennen, in der er Beschützerin, Lehrerin, Freundin und Geliebte fand. Es ist bekannt, dass Jünglinge von lebhaftem Geiste ihre ersten schwärmerischen Neigungen oft Frauen oder Mädchen zuwenden, die beträchtlich älter sind als sie, und so ist es nicht wunderbar, dass der erste freundliche Blick, das erste gütige Wort der liebreizenden Frau von achtundzwanzig Jahren, die Rousseau statt der gefürchteten alten Betschwester entgegentrat, sein Herz gefangen nahmen. Frau von Warens, die wegen„häuslichen