Turin:
Verdrusses“ aus ihrer Vaterstadt Vevep geflohen war und in Annecy als Neubekehrte unter der Aufsicht des Bischofs lebte, durfte sich dem Auftrage, in Rousseau der alleinseligmachenden Kirche ein neues Glied zuzuführen, nicht entziehen und liess den Jüngling, dessen Schicksal ihr nahe ging, mit zwei Wanderern zweifelhafter- Tugend nach Turin reisen, um dort in ein Hospiz für Katechumenen einzutreten. Trotz seiner bedrängten Lage wanderte Rousseau im Leichtsinne der Jugend fröhlichen Herzens über die Alpen. Zeit seines Lebens hat er die Fussreisen hoch gepriesen, auch hier den Zeitgenossen als ein Apostel der Natur entgegentretend. Im Hospiz zu Turin lernte er an dem Auswurfe der Gesellschaft, als den sich die Genossen in der Bekehrung darstellten, die Grösse menschlicher Gemeinheit kennen und trat nach vergeblichem Kampfe dem Zwange der Umstände folgend, zur katholischen Kirche über. Als er danach, anstatt die erwartete Versorgung zu erlangen, mit einigen Lire auf die Strasse gesetzt wurde, musste er sein Leben kümmerlich fristen, und wurde nach einiger Zeit Diener in dem Haushalte einer Gräfin Vercelli. Diese Dame starb bald und bei der Auflösung ihres Haushaltes trat ein Ereigniss ein, an das Rousseau während seines ganzen Lebens mit bitterer Reue gedacht hat. Unter rührenden Anklagen hat er den Vorfall erzählt und er sagt, dass die Hoffnung, durch dieses Geständniss einigermaassen von seinen Gewissensbissen befreit zu werden, viel zu dem Entschlusse, seine Bekenntnisse zu schreiben, beigetragen habe. Rousseau hatte sich ein altes Stückchen Band
Möbius, Rousseau. 3