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Rousseau’s Jugend.
in Rosenroth und Silber angeeignet, das der Kammerjungfer gehörte. Man fand es bei ihm und in der Verwirrung erklärte er, Marion, die hübsche Köchin, der er in Wahrheit es hatte schenken wollen, habe es ihm gegeben. Es wurde der Mühe für werth gehalten, die Angelegenheit vor versammelter Dienerschaft zu erörtern und Rousseau mit Marion zu confrontiren. Trotzdem nun, dass das unschuldig angeklagte Mädchen Rousseau mit Thränen beschwor, sie nicht unglücklich zu machen, verharrte dieser aus Furcht vor der Schande bei seiner Behauptung. Der Graf de la Roque, der die Sache untersuchte, begnügte sich damit, zu sagen, das Gewissen des Schuldigen werde den Unschuldigen rächen; damit war die Angelegenheit erledigt. Sicher ist es falsch, aus Rousseau’s tadelnswerther Handlung weitgehende Schlüsse zu ziehen: Verwirrung und falsche Scham mögen das Herz eines jungen Menschen vorübergehend verstocken, er ist deshalb kein Bösewicht. Rousseau hat später als treuer Diener der Wahrheit die wenig bedeutenden Fehltritte seiner Jugend ausreichend gesühnt und ein gerechter Leser der Bekenntnisse wird in jener Erzählung hauptsächlich einen Beweis der Aufrichtigkeit und Gewissenszartheit des Verfassers finden, zugleich aber daran denken, dass der paranoiakranke Verfasser mit einer gewissen Wollust von seinen Jugendsünden spricht.
Auf Empfehlung des Grafen de 1a Roque hin kam Rousseau in ein sehr vornehmes Haus, das der Herren von Solar. Er wurde zunächst als Diener verwendet, aber bald ertheilte ihm der Sohn des Hauses Unterricht