Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911) J. J. Rousseau
Entstehung
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Rousseaus Jugend.

in Rosenroth und Silber angeeignet, das der Kammer­jungfer gehörte. Man fand es bei ihm und in der Ver­wirrung erklärte er, Marion, die hübsche Köchin, der er in Wahrheit es hatte schenken wollen, habe es ihm gegeben. Es wurde der Mühe für werth gehalten, die Angelegenheit vor versammelter Dienerschaft zu erörtern und Rousseau mit Marion zu confrontiren. Trotzdem nun, dass das unschuldig angeklagte Mädchen Rousseau mit Thränen beschwor, sie nicht unglücklich zu machen, verharrte dieser aus Furcht vor der Schande bei seiner Behauptung. Der Graf de la Roque, der die Sache untersuchte, begnügte sich damit, zu sagen, das Ge­wissen des Schuldigen werde den Unschuldigen rächen; damit war die Angelegenheit erledigt. Sicher ist es falsch, aus Rousseaus tadelnswerther Handlung weit­gehende Schlüsse zu ziehen: Verwirrung und falsche Scham mögen das Herz eines jungen Menschen vor­übergehend verstocken, er ist deshalb kein Bösewicht. Rousseau hat später als treuer Diener der Wahrheit die wenig bedeutenden Fehltritte seiner Jugend aus­reichend gesühnt und ein gerechter Leser der Bekennt­nisse wird in jener Erzählung hauptsächlich einen Be­weis der Aufrichtigkeit und Gewissenszartheit des Ver­fassers finden, zugleich aber daran denken, dass der paranoiakranke Verfasser mit einer gewissen Wollust von seinen Jugendsünden spricht.

Auf Empfehlung des Grafen de 1a Roque hin kam Rousseau in ein sehr vornehmes Haus, das der Herren von Solar. Er wurde zunächst als Diener verwendet, aber bald ertheilte ihm der Sohn des Hauses Unterricht