Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911) J. J. Rousseau
Entstehung
Seite
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38 |& Rousseaus Jugend.&

sich weiter einem Pseudo-Archimandriten aus Jerusa­lem an, zog mit diesem durch Bern nach Solothurn, wurde hier von dem französischen Gesandten zurück­gehalten und reiste schliesslich mit Unterstützung dieses Herrn nach Paris. Aber auch in dieser Stadt fand er die gehoffte Unterkunft nicht. Frau von Warens war schon wieder abgereist, er entschloss sich ihr nachzureisen und erreichte sie nach langer Wanderung, nach vielen Ent­behrungen und manchen kleinen Abenteuern zu Cham­berp, wo er im Herbste des Jahres 1732 eintraf. Nun folgt eine verhältnissmässig ruhige Zeit. Frau von Warens nahm Rousseau wieder bei sich auf und verschaffte ihm eine Stelle alsSecretär bei der Land­vermessung. Obwohl die Arbeit in der dumpfigen Schreibstube unterschmutzigen und schlecht ge­kämmten plumpen Burschen nicht sehr angenehm war, 3 widmete sich Rousseau ihr doch mit allem Ernste und studirte, um sich zu vervollkommnen, eifrig Arithmetik. Ausserdem las er viel und trieb besonders sowohl theoretische wie practische Musikstudien. Mehr und ke mehr nahm die Leidenschaft für die Musik Rousseau| gefangen. Schliesslich entschloss er sich, der Kunst allein zu dienen, und gab nach knapp zwei Jahren seine Stel-| lung auf, um sich sein Brot als Musiklehrer zu er-| werben. Das glückte denn recht gut. Der Adel Sa-| voyens vertraute dem jungen Musiklehrer seine Töchter an, und Rousseau ging von Haus zu Haus, hier die Tochter bewundernd, dort von der Mutter gehätschelt. Frau von Warens fand die Sache bedenklich und fasste den seltsamen Entschluss, der Verführung ihres Schütz­