Frau von Warens.
lings dadurch zuvorzukommen, dass sie selbst sich ihm preisgab. Sie kündigte Rousseau ernsthaft ihre Entschliessung an und gab ihm acht Tage Bedenkzeit. Rousseau schildert eingehend die einander widersprechenden Empfindungen, die ihn vor und bei dem Eintritte in die Rechte eines Gatten bewegten, und Niemand wird ihn tadeln, wenn er hier die Lust mit Bitterkeit gemischt fand. Hatte er doch die Geliebte bis dahin als petite maman verehrt und trotz aller Zärtlichkeit das nicht erstrebt, was ihm entgegengebracht wurde. Frau von Warens war ohne Mutter aufgewachsen, sie war frühzeitig verheirathet worden und war, unbefriedigt und gelangweilt, der Verführung zum Opfer gefallen. Ihr Galan, ein geistreicher Mann, dem sie ihre eigentliche Erziehung verdankte, hatte ihr vorgeredet, der geschlechtliche Verkehr sei an sich eine sittlich bedeutungslose Sache, und es komme nur darauf an, dass man Aergerniss vermeide. Da die junge Frau, wie Rousseau versichert, ein„eiskaltes Temperament“ besass und in der That nicht begriff, wie man so viel Wichtigkeit einer Sache beilegen könne, die für sie keine hatte, war es möglich, dass jene Grundsätze bei ihr Eingang fanden, ja sie ihr Leben lang beherrschten. Sie sah in ihren Gunstbezeugungen nur ein wichtiges und wirksames Mittel, um Die, die ihr verbunden waren, enger und dauernder an ihre Person zu fesseln, und trug kein Bedenken, das Mittel so oft anzuwenden, wie sein Zweck vorhanden war.„Sie schätzte zwar ihre Gunstbezeugungen nicht nach deren Werthe, aber sie trieb nie ein unedles Gewerbe; sie verschwendete sie,
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