Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911) J. J. Rousseau
Entstehung
Seite
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Die Jugendkrankheit.

Bekanntschaft mit Voltaires Schriften, fing an, sich mit geschichtlichen und philosophischen Studien zu be­fassen. Mit wahrer Leidenschaft betrieb er das Schach­spiel. Seine Schilderung dieser Leidenschaft ist auf­fallend superlativisch ausgefallen. Viele kleine Reisen unterbrachen dann wieder Arbeit und Spiel. Allmählich aber begann sich eine Krankheit zu entwickeln. Rousseau hatte 1733 oder 1734 eineent­zündliche, heftige, aber kurze Krankheit durchge­macht, von der er sich nur langsam erholte. Vielleicht handelte es sich um eine Lungenentzündung. Im Jahre 1735*) fühlte Rousseau allmählich seine Kräfte abnehmen. Er sucht die Ursache in seiner übergrossen Leidenschaftlichkeit: Alles, die Frauen, die Musik, das Schachspiel, jedes Buch, das er las, jedes Geschäft und jedes Vergnügen, Alles habe ihn in die Hitze gebracht. Nichtse, die allerkindischsten Dinge setzten mich in Bewegung, als gälte es den Besitz der Helena oder den Thron der Welt. Sobald ihn ein Gegenstand interessirte, widmete er ihm Tag und Nacht. Diese Erregbarkeit macht von vornherein einen krankhaften Eindruck. Ein Zufall soll den Zustand verschlimmert haben. Rousseau wollte chemisch-physikalische Ex­perimente machen, verstand es aber nicht recht, denn eine mit ungelöschtem Kalk, Auripigment und Wasser gefüllte Flasche explodirte, und Rousseau wurde für sechs Wochen blind. Doch ist es wahrscheinlich, dass

*) Alle Zeitangaben dieser Periode sind unsicher. Nach dem Miethcontracte ist die Uebersiedelung nach Les Charmettes erst im Jahre 1738 ausgeführt worden.

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