Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911) J. J. Rousseau
Entstehung
Seite
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Rousseaus Jugend.

sowohl an sich als durch seine wohl erst mit meinem Leben endigenden Folgen merkwürdig war. Eines Morgens, als ich mich nicht schlechter als sonst be­fand, war ich eben damit beschäftigt, die Platte eines kleinen Tisches auf dem Fusse zu befestigen, als ich in meinem Körper eine plötzliche und fast unbegreifliche Umwälzung empfand. Ich kann sie nur einem Sturme vergleichen, der sich in meinem Blute erhob und im Augenblicke durch alle Glieder flog. Die Arterien be­gannen mit solcher Kraft zu schlagen, dass ich die Schläge nicht allein fühlte, sondern auch hörte, be­sonders die der Carotiden. Damit verband sich ein starkes Ohrgeräusch und dieses war dreifach, ja vier­fach, nämlich ein dumpfes tiefes Summen, ein helleres Murmeln wie von fliessendem Wasser, ein sehr scharfes Pfeifen und das eben erwähnte Klopfen, dessen Schläge ich zählen konnte, ohne den Puls zu fühlen oder über­haupt meinen Körper mit den Händen zu berühren. Dieses innere Geräusch war so stark, dass es mir die Feinheit des Gehörs nahm, die ich bis dahin besass, und mich, wenn auch nicht taub, doch harthörig machte, wie ich es seitdem bin. Man kann sich meine Ueber­raschung und meinen Schreck denken. Ich sah mich todt, legte mich zu Bett, der Arzt wurde gerufen, und ich erzählte ihm meinen Fall, zitternd und ihn für rathlos haltend. Er war es, glaube ich, wirklich, aber er vertrat sein Handwerk. Er verwickelte mich in lange Auseinandersetzungen, von denen ich nicht die Spur verstand, und dann begann er eine seiner Theorie entsprechende experimentelle Kur in anima vili. Diese