Ohrensausen und Schlaflosigkeit.
war so peinlich, so ekelhaft und nutzte so wenig, dass ich ihrer bald müde wurde und nach einigen Wochen, da ich mich weder besser noch schlechter fühlte, das Bett verliess. Ich fing wieder an, wie gewöhnlich zu leben mit meinem Arterienklopfen und mit meinem Ohrensausen, das mich seit dieser Zeit, das heisst seit dreissig Jahren, nicht eine Minute verlassen hat. Ich war bis dahin ein Langschläfer gewesen. Die vollständige Schlaflosigkeit, die sich zu den übrigen Erscheinungen gesellte, und die sie bis jetzt beständig begleitet hat,*) überzeugte mich vollends, dass ich nur noch kurze Zeit zu leben hatte. Diese Ueberzeugung liess mich eine Zeit lang die Sorge um die Wiederherstellung vergessen.... Das Geräusch belästigte mich, aber es machte mir keine Schmerzen, es hatte keine anderen Unbequemlichkeiten im Gefolge als die nächtliche Schlaflosigkeit und eine beständige Kurzathmigkeit, die sich nicht bis zum Asthma steigerte und sich nur beim Laufen oder überhaupt bei lebhaften Bewegungen bemerkbar machte.“ Es kam nun eine gewisse Ruhe über Rousseau und er fing an, sich ernstlich mit religiösen Fragen zu beschäftigen. Ausserdem nahm er, soweit es seine Kräfte gestatteten, eifrig an den Freuden und Arbeiten des Landlebens Theil.
*) Eschernp erzählt aus den späteren Jahren Rousseau’s eine Anekdote. Bei einem Ausfluge hatten die Touristen in einer Hütte geschlafen. Als man sich am andern Morgen fragte: Wie haben Sie geschlafen? sagte Rousseau: Ach, ich schlafe nie, Darauf erwiderte ein anderer Herr: Um Gotteswillen, Herr Rousseau, Sie haben ja so geschnarcht, dass ich kein Auge zuthun konnte.
NN
EL A