Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911) J. J. Rousseau
Entstehung
Seite
46
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Rousseaus Jugend.

Im Winter wurde wieder die finstere Stadtwohnung bezogen. Rousseau gewann die Bücher lieb und suchte sich Kenntnisse verschiedener Art zu erwerben.Ob­wohl ich jeden Tag wie meinen letzten ansah, studirte ich doch mit soviel Eifer, als hätte ich ewig leben sollen. Man sagte, das schade mir; ich aber glaube, dass es mir nützte, nicht nur meiner Seele, sondern auch meinem Leibe, denn der Fleiss, für den ich mich begeisterte, wurde mir so erfreulich, dass ich, nicht an meine Krankheit denkend, viel weniger unter ihr litt. Als der Schnee schmolz, begann Rousseau wieder zu hoffen, und als er das erste Lied der Nachtigall in den Charmettes vernahm, verliess ihn die Todes­furcht.Obgleich ich schwach war, nahm ich doch die ländlichen Beschäftigungen wieder auf, aber in einer meinen Kräften entsprechenden Weise. Es be­kümmerte mich wahrhaft, den Garten nicht allein be­sorgen zu können, aber wenn ich sechs Spatenstiche gethan hatte, war ich ausser Athem, der Schweiss rann von mir herab, ich konnte nicht mehr. Wenn ich mich bückte, verdoppelte sich mein Klopfen und das Blut stieg mir mit solcher Gewalt in den Kopf, dass ich mich rasch aufrichten musste.

Trotz seines leidenden Zustandes war Rousseau sehr fleissig, sodass die in den Charmettes zugebrach­ten Jahre als seine eigentliche Studienzeit betrachtet werden müssen. Mit vieler Mühe suchte er sich einen Weg zu den Wissenschaften. Er beschäftigte sich besonders mit Philosophie, Mathematik, Latein, Ge­schichte, Geographie und schöner Literatur. Den erst­