Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911) J. J. Rousseau
Entstehung
Seite
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Natur der Jugendkrankheit.

bald schwerer und länger. Immer aber handelt es sich um von Hause aus nervöse. Individuen. Wie diese Erkrankungen eigentlich zu deuten sind, das mag als zweifelhaft erscheinen. Man kann nicht umhin, sie mit der Chlorose der Mädchen in Analogie zu bringen, jedoch ist von Identität keine Rede, auch ist das Eisen nutzlos. Hier wir dort muss man an einen Zusammen­hang mit der Vollendung der körperlichen Entwicklung denken. Begünstigt wird bei jungen Männern der Ein­tritt der Krankheit durch geistige Anstrengungen(Schul­strapazen); dagegen scheint die Onanie nicht Ursache zu sein, obwohl die Ammenmärchen immer darauf zurückkommen. Die Genesung tritt immer sehr lang­sam ein, es kann drei bis fünf Jahre, ja noch länger dauern, bis die Kranken sich wieder ganz hergestellt fühlen. Wahrscheinlich handelt es sich um abnorme Stoffwechselvorgänge, die mit irgendwelcher Drüsen­thätigkeit zusammenhängen mögen, und die krankhaften Produkte des Stoffwechsels wirken auf den Körper wie ein Gift. Bei Rousseau erinnert zeitweise das ganze Bild auffallend an die Basedowische Krankheit. Es wäre möglich, dass das Wasser in Chamberyp auf seine Schilddrüse gewirkt hätte, und dass es so zu einer Art von Basedowischer Krankheit gekommen wäre, die sich erst dann verlor, als Rousseau auf Reisen ging und den schädlichen Einflüssen entzogen wurde. Auch während der Chlorose besteht eine Neigung zu Schild­drüsenveränderungen mit Basedow-Spmptomen. Eine Besonderheit stellt in Rousseaus Krankheit jener eigen­thümliche Zufall dar, der in etwas an die Anfälle der

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