Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911) J. J. Rousseau
Entstehung
Seite
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Rousseaus Jugend.

Meniereschen Krankheit erinnert. Wir wissen auch| über die Natur der letzteren recht wenig. Man wird| annehmen dürfen, dass bei Rousseau durch die von Reizen unbekannter Art bewirkte heftige Erregung des Gefässspstems leichte, aber dauernde Veränderungen im inneren Ohre entstanden seien, die dem bis in das Greisenalter anhaltenden Ohrensausen zu Grunde| | Jagen. Auffallend ist, dass Rousseau, abgesehen von| | der wiedergegebenen Stelle der Bekenntnisse, selten| | von dem Ohrensausen spricht, während er seine Schlaf-| | losigkeit sehr oft erwähnt. Beide Erscheinungen, das Ohrensausen und die Schlaflosigkeit, findet man oft bei Menschen mit einem krankhaft erregbaren Nerven-| system, und es ist begreiflich, dass sie wiederum die| Reizbarkeit steigern. Auf jeden Fall aber bildet der Zu­fall mit seinen Folgen eine Art von Complication der Jugendkrankheit. Diese selbst ist vollständig abgeheilt und Rousseau hat später nicht wieder in ähnlicher Weise gelitten. Bei seinen späteren körperlichen Krank­heiten sehen wir ihn oft in arg gedrückter Stimmung x und eingenommen von hppochondrischen Befürchtungen, doch diese Dyskolie ist bei ihm eine sozusagen phy­siologische Erscheinung und hängt eng mit seiner wesentlichen Gemüthsbeschaffenheit zusammen. Rousseau kehrte also nach Chamberyp zurück, aber siehe da, die Verhältnisse waren nicht mehr die alten,| sein Platz bei Frau von Warens war ausgefüllt durch einen jungen Mann aus dem Waadtlande. Ihn be­schreibt Rousseau mit einiger Verdriesslichkeit als einen zwar gutmüthigen, aber unwissenden, oberflächlichen|

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