Rousseau als Hauslehrer.
und im Grunde rohen Menschen, zu dem ein innigeres Verhältniss nicht wohl zu gewinnen war. Frau von Warens erklärte ohne Weiteres, dass der Neue bei ihr dieselben Rechte geniesse wie Rousseau, und dieser verzichtete im Gefühle ihrer Erniedrigung auf ihren Besitz. Nun trat ziemlich rasch eine Abkühlung des Verhältnisses ein, obgleich Rousseau nach wie vor der „Mama“ zärtliche Verehrung entgegenbrachte. Er suchte allen Groll gegen den Ankömmling zu tilgen und uneigennützig das Wohl seiner Wohlthäterin zu fördern. Doch jener verstand ihn nicht, und es gelang nicht, den fortschreitenden Verfall der wirthschaftlichen Zustände aufzuhalten. Rousseau fühlte sich verlassen und schloss sich mit seinen Büchern und seinem Kummer ein. Bald aber wurde ihm dies Leben ganz unerträglich. Er nahm daher im Frühjahre 1740 eine Erzieherstelle im Hause des Herrn von Mably zu Lyon an. Der neuen Thätigkeit widmete er sich mit allem Eifer, doch sah er bald ein, dass er zur Ausübung der Erziehung nicht die nöthigen Eigenschaften, besonders nicht genügende Stetigkeit besitze, und nach ungefähr einem Jahre gab er seine Stellung wieder auf. Zu diesem Entschlusse hatte wohl die Sehnsucht nach Frau von Warens und nach den Charmettes beigetragen. Die Wirklichkeit freilich enttäuschte ihn. Er war ein Fremdling im Hause der Freundin geworden und erkannte, bald, dass an eine Wiederherstellung der alten Beziehungen nicht zu denken war. Ueberdem war die finanzielle Verwirrung noch beträchtlich grösser geworden. Rousseau schmiedete Pläne, um ihr
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