Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911) J. J. Rousseau
Entstehung
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Rousseaus Jugend.

abzuhelfen, und verfiel darauf, eine Erfindung, die er gemacht hatte, nämlich eine neue Art von Notenschrift, zu verwerthen. Er beschloss, seine Methode, die ver­schiedenen musikalischen Zeichen durch Zahlen auszu­drücken, der Pariser Akademie vorzulegen. Rasch machte er sich auf, nahm Abschied von Savoyen und von der Jugend.

Ich habe die Geschichte der Jugend Rousseaus ohne vielKritik erzählt und will nur einige Betrachtungen anknüpfen. Rousseau sagt, die Erziehung in meinem Vaterhause war gut. Die meisten Autoren sagen, sie war schlecht. Was heisst gut und schlecht? Dass die Er­ziehung Rousseaus im Allgemeinen nicht zu empfehlen wäre, das ist wohl sicher, aber ob sie nicht gerade für Rousseau besonderen Werth gehabt habe, das ist eine andere Frage. Das ganze Schicksal des jugendlichen Rousseau lässt sich so auffassen. Wäre Jean-Jaques rechtzeitig in die Schule gekommen, hätte er den Cur­sus im Gymnasio rite absolvirt, wäre er immer von lauter ehrbaren Leuten umgeben gewesen, so wäre er wahrscheinlich correcter geworden und hätte sich viel­leicht zu einem brauchbaren Diener seiner Vaterstadt entwickelt, aber wäre er Rousseau geworden? An einem Spiessbürger mehr oder weniger liegt nicht viel, aber eine so wundervolle Erscheinung wie Rousseau konnte nur unter ungewöhnlichen, nach jeder Hinsicht un­gewöhnlichen Verhältnissen entstehen. Schopenhauer hat einen Aufsatz geschrieben über die anscheinende Absichtlichkeit im Schicksale des Einzelnen, er hätte Rousseau als Beispiel anführen können. Musste Rous­